Dabei geht es natürlich nicht nur um den "Fall Lauro". Das BKA reitet eine Attacke gegen alle Schiffahrtskonferenzen – rund 350 gibt es auf der Welt und an etwa 175 sind deutsche Reeder beteiligt.

Die Reeder ihrerseits glauben nicht daran, daß vom Kartellamt überhaupt etwas gegen sie getan werden kann. Vorstandsmitglied Bertram vom Norddeutschen Lloyd: "Was wir heute tun, haben wir damals, als wir vom Kartellgesetz freigestellt wurden, auch schon getan."

Dieses Argument ist die Säule ihrer Verteidigung. Fest steht jedoch nur, daß die Seeschiffahrt ausdrücklich vom grundsätzlichen Verbot der Kartellbildung ausgenommen ist. Ob damit aber auch ein Mißbrauch der mächtigen Position, die sich die Konferenzen sichern, gerechtfertigt ist, steht noch in Frage.

Daneben verteidigen Hapag und Lloyd die Kartelle der See als die bislang beste bekannte Möglichkeit, die Anforderungen der Wirtschaft an den Seeverkehr zu erfüllen. Nur die Konferenzen, so wird argumentiert, garantieren regelmäßige Abfahrten, ein Maximum an Service und konstante Frachtraten.

Das Beispiel der Amerikaner beeindruckt deutsche Reeder nicht. Die amerikanische Antitrust-Behörde hat alle Konferenzen verboten, denen nicht jeder Reeder beitreten darf, also die "geschlossenen Konferenzen". Außerdem müssen alle Frachtraten von den Behörden genehmigt werden, und die Beamten haben das Recht, jederzeit die Geschäftsbücher aller Linien zu prüfen, die amerikanische Häfen anlaufen.

In den Augen deutscher Reeder sind das unehrliche Praktiken, die den Amerikanern nur dazu dienen, die eigenen Reeder zu begünstigen und eine nationale Handelspolitik zu betreiben. Doch im Lager der deutschen Schiffseigner melden sich schon gemäßigtere Stimmen. Professor Stödter, Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder, meint: Die Konferenzmitglieder sollten sich darüber klar sein, daß sie noch die Wahl haben, entweder Wegbereiter einer neuen Zukunft des ganzen Systemes der Schiffahrtskonferenzen zu sein oder aber dessen Totengräber.

Die Fernostkonferenz hat noch ein paar Tage Zeit. Wann – und ob überhaupt – das Kartellamt mit einem Bußgeldbescheid an die Reeder den Stein erst richtig ins Rollen bringen wird, ist noch ungewiß. Danach wird es allerdings noch einmal Jahre dauern, bis geklärt ist, ob die Reeder ihre Vorstellung von der Freiheit der Meere mit unlauteren Methoden verwirklichen oder nicht. "So ein Prozeß", so heißt es im Kartellamt, "dauert schon drei bis fünf Jahre."