Der von den Gewerkschaften hart bedrängten Regierung Wilson widerfuhr am Montag unerwartete Entlastung: Mit Vehemenz setzte sich Bundesfinanzminister Strauß in einer Rede vor der europäisch-atlantischen Gruppe des britischen Unterhauses für sofortige Verhandlungen über einen EWG-Beitritt Großbritanniens ein.

Strauß zeichnete die Zukunftsvision eines geeinten Europas innerhalb einer gewandelten atlantischen Allianz, in der es eine "nukleare Arbeitsteilung" zwischen Europa und den USA geben müsse. Der erste Schritt sei ein französischbritischer Atom-Pool, das Ziel bestehe in der atomaren Kontrolle durch eine europäische Gemeinschaft unter dem Präsidenten einer europäischen Föderation.

Europa müsse eine Macht "aus eigenem Recht" werden, um Amerika als Partner zu dienen und zu entlasten. Die Idee eines kollektiven Sicherheitssystems nannte Strauß unter den gegebenen Umständen eine Illusion. Ein Abrüstungs-Arrangement zwischen den USA und der Sowjetunion würde "fast automatisch auf Kosten unseres Kontinents" Zustandekommen. Europa dürfe es nicht auf Großmachtpolitik ankommen, sondern nur darauf, eine Stimme bei den Entscheidungen zu haben, die über seine Zukunft entscheiden.