Am vergangenen Wochenende war es einmal wieder soweit: Die Ausländer setzten zum Sturm auf die deutschen Aktien an. Sie hatten herausgefunden, daß in der Kiste des Dirigismus, mit dem die Bundesregierung sich gegen den Devisenzustrom wehren will, auch ein Verbot für Ausländer ruht, deutsche Wertpapiere zu erwerben. Noch denkt zwar niemand daran, mit so scharfen Mitteln zu arbeiten. Aber das Ausland ist begreiflicherweise mißtrauisch, weil es den deutschen Hang zur Perfektion ausreichend kennt.

Bei den ausländischen Käufern deutscher Aktien spielen folgende Gedankengänge eine Rolle. Die Aufwertung der Mark ist nur eine verschobene Sache. Sie wird aber frühestens nach den Bundestagswahlen kommen. Bis dahin wird sich die deutsche Industrie unbeschwert im Export tummeln und weitere Gewinne einstreichen können. Damit fallen die Erträge für 1969 besser aus, als man noch vor wenigen Wochen dachte. Da die deutschen Aktien bislang ohnehin nicht überbewertet sind, läuft man bei ihnen kein Kursrisiko, hat aber die Chance, einen Aufwertungsgewinn zu erzielen.

Die großen Aktienumsätze bei nur in Einzelfällen sprunghaft gestiegenen Kursen lassen den Schluß zu, daß deutsche Stellen (Banken und private Anleger) im großen Umfang Effekten verkauft haben. Sie taten dies in der Hoffnung, nach einer Währungsbereinigung – nämlich dann, wenn die Ausländer verkaufen – ihre Papiere billiger zurückerwerben zu können. Die deutsche Börse ist jetzt in ein gefährliches Fahrwasser geraten. K. W.