Eine neue Flugzeuggeneration, deren Fassungsvermögen doppelt so groß wie das der heute gängigen Boeing 707, Douglas DC-8, Convair Coronado und Starlifter ist, wird im nächsten Jahr in Dienst gestellt. Dahinter warten bereits Super-Jumbos, die bis zu tausend Passagiere tragen werden. Der Erweiterung der anscheinend unbegrenzten Kapazitätsmöglichkeit wird Anfang der siebziger Jahre die Erweiterung der Geschwindigkeit in den Überschallbereich hinein folgen. Einige sachliche Angaben und Zahlen über diese beiden neuen Generationen von Verkehrsflugzeugen sind inzwischen bis in die kleinste Lokalzeitung gedrungen. Sie sind mehr oder weniger bekannt, mehr oder weniger richtig und sollen hier nicht interessieren. Vielmehr scheint es an der Zeit, inmitten dieser technischen Umwälzungen den Standort des Menschen zu ermitteln.

Einige der beteiligten Menschen stehen mit dem Arsenal der Elektronik, Hochfrequenztechnik, Automatik, Computerlogistik auf du: Piloten, Ingenieure, Flugsicherungsbeamte. Den anderen, den Passiven, den Fluggästen, sind die technischen Interna der Luftfahrt ein Buch mit sieben Siegeln. Ihr Quellenstudium beschränkt sich auf Werbemitteilungen und Unfall-Zeitungsberichte (die in Fachkreisen toleriert werden, wenn sie weniger als ein Dutzend grober Sachfehler enthalten).

Eine wesentliche Tatsache (zum Beispiel), die bisher offenbar allen Beobachtern zukünftiger Luftverkehrsentwicklung entgangen ist, liegt darin: Das Größenwachstum eines Flugzeug-Cockpits und seiner Besatzungsanzahl steht im umgekehrten Verhältnis zum Größenwachstum der Flugzeugkabine. Nehmen wir den einzelgängerischen Lufthelden à la Saint-Exupery als Ausgangspunkt, so stellen wir fest: Je größer Kom-

  • Fortsetzung nächste Seite
  • Fortsetzung von Seite 55

fort und Umfang des Passagierraumes werden, desto deutlicher schrumpft die Zahl der im Cockpit tätigen Spezialisten wieder auf den Lindberghschen Einzelgänger zurück.

Die Cockpit-Besatzung der DougIas-DC-6- und Super-Constellation-Kolbenflugzeuge, die Mitte und Ende der fünfziger Jahre den Nordatlantik überquerten, setzte sich zusammen aus: Kapitän, Kopilot, Funker, Bordingenieur und Navigator. Auf längeren Streckenabschnitten, wie der Südatlantikroute, waren dem Kopiloten und Bordingenieur auch noch zweite Ersatzleute beigegeben. Mit der Einführung des Düsenluftverkehrs und der Vervollkommnung des Funksprechverkehrs und der Navigation jedoch wurde bald der Funker gestrichen, wenig später bei einzelnen Gesellschaften (verfrüht oder nicht, das sei dahingestellt) auch der Navigator.

Auf der zukünftigen Boeing 747 wird der Navigator bei allen Luftverkehrsgesellschaften fehlen; ein neues Trägheitsnavigationssystem wird ihn ersetzen. Es läßt sich vorausberechnen, wann auch der Bordingenieur, der in kleineren Flugzeugen ohnehin längst fehlt, durch eine vervollkommnete Elektronik verdrängt wird; man beobachte nur, wie auf Kurzstreckenflugzeugen wie der Boeing 737 Klima- und Druckverhältnisse automatisch geregelt werden.