Er schien wie besessen von der Leidenschaft für Ordnung und Sauberkeit. Im Haushalt seiner großen Familie hatte er alles geradezu militärisch reglementiert, und streng wachte er darüber, daß seine Anweisungen befolgt wurden. Wie ein Unteroffizier vom Dienst inspizierte er täglich die Zimmer seiner Kinder. Während er auf Gesellschaften ein gerngesehener Spaßvogel war, immer bereit, komische Lieder zu singen, Zaubertricks vorzuführen, den Clown zu spielen und (oft recht peinliche) Witze zu reißen – er selber fand sich, wie er gern sagte, "unvergleichlich" –, regierte er zu Hause als strenger Zuchtmeister.

Wie bei fast allen Pedanten, war es auch bei ihm nicht Liebe zur Ordnung, die ihn antrieb, sondern Angst vor der Unordnung; vielleicht meinte er, es sei Unordnung gewesen, was seine Eltern ins Gefängnis gebracht hatte. Ihm, der sein gewaltiges Arbeitspensum (und damit seinen Weg aus ärmlichsten Verhältnissen zu Weltruhm und Wohlhabenheit) nur mit eiserner Selbstdisziplin schaffte, erschien Mißerfolg immer nur als Folge mangelnder Ordnung. Davor wollte er sich und seine Familie bewahren.

Er übersah jedoch, wie sein Ordnungsschema, das zwar ihm selber sicheren Halt zu geben schien, seine Angehörigen immer unselbständiger und ängstlicher werden ließ. Vor allem seine Frau wurde aus lauter Unsicherheit zu einem ausgesprochenen Pechvogel, so daß ihr gerade bei besonderen Anlässen, die ihm so wichtig waren, komische Mißgeschicke passierten. So mußte ihr ausgerechnet bei einem Festbankett das Armband in die Suppe fallen. Und wenn sie verreisten, um sich zu erholen, dann schien es unabwendbar, daß sie stürzte und sich etwas brach oder sich sonstwie verletzte.

Er lachte zwar über solche Mißgeschicke und bedauerte seine Frau, aber insgeheim ärgerte er sich über ihre Unbeholfenheit. Und obwohl er in seinem umfangreichen Werk für kleine menschliche Unzulänglichkeiten so viel Verständnis zeigte und sie mit viel Liebe und Humor darstellte, konnte er im Leben diese ständige Quelle des Ärgers nicht bewältigen. So kam es, daß er seine Frau immer häufiger zu Hause ließ, wenn er ausging, um sich zu unterhalten, und auch wenn er verreiste.

Und eines Tages ließ er sie, die er als 24jähriger geheiratet und mit der er zehn Kinder gehabt hatte, ganz sitzen. Der 46jährige hatte sich in eine 19 Jahre alte Schauspielerin verliebt, ein blondes zartes Mädchen mit großen blauen Augen; deswegen schickte er seine in 22 Ehejahren ziemlich dick gewordene Frau einfach weg. Und sie, ein Leben lang an seine Befehle gewöhnt, ließ sich das auch gefallen. Er ordnete an, daß sie zu dem schon erwachsenen ältesten Sohn zog, während alle jüngeren Kinder bei ihm blieben – versorgt – von einer Schwester seiner Frau, die schon seit Jahren bei ihnen lebte.

Daß die Schwägerin in seinem Hause blieb, verursachte einen Skandal. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen und sich selber wieder ins rechte Licht zu rücken, entwarf er eine feierliche Erklärung für die Presse, die dann allerdings, weil Freunde nicht wollten, daß er sich lächerlich machte, nicht gedruckt wurde. Mit seiner jungen Freundin zusammenzuleben, wagte er nicht; das Verhältnis, das zwölf Jahre dauerte, bis zu seinem Tode, und aus dem ein Kind hervorging, blieb ein gutgehütetes Geheimnis.