Von Robert Lucas

International House liegt zwei Minuten vom Piccadilly Circus entfernt, der einmal als der Nabel des britischen Empire galt. Wenn man aber die enge Treppe hinaufklettert – fünf Stockwerke, please – durch ein vergnügtes Gewühl von italienisch, dänisch, spanisch schwätzenden, diskutierenden, lachenden jungen Menschen, fühlt man sich in den Turmbau von Babel versetzt. Hier wird allerdings der Versuch gemacht, den biblischen Vorgang umzukehren und die Sprachenverwirrung wieder zu entwirren.

"Where are you going tonight, Sven?" fragt eine springlebendige junge Lehrerin des International Language Centre einen flachsblonden Studenten. "I am going to the pictures, Georgie", antwortet er stolz. Jeder nennt sie "Georgie", denn hier reden Lehrer und Studenten einander von der ersten Stunde nur mit dem Vornamen an. Unter ihren Schülern sind Skandinavier, Araber, Siamesen, Portugiesen und sogar zwei Mongolen (ein junges Ehepaar? Geschwister?). Es gibt viel Gelächter und fühlbaren Lerneifer in einer Atmosphäre allgemeinen Wohlwollens.

"Ein Deutscher, ein Italiener, ein Spanier kann in London nicht richtig Englisch lernen, wenn er sich hier nicht wirklich wohl fühlt", sagt John Haycraft (ex-Oxford, ex-Harvard), der Leiter dieses Konglomerats von Sprachschule, Klub, Volkshochschule und Universal Aunts für junge Menschen. Haycraft, ein enthusiastischer Organisator, ist der Pionier einer neuen Sprachenpädagogik, und seine Ziele sind weit gesteckt. "Wir versuchen, Menschen aus den verschiedensten Ländern zusammenzuführen. Der erste praktische Schritt zum internationalen Verständnis ist meiner Ansicht nach das gemeinsame Erlernen oder der Unterricht von fremden Sprachen."

Zusammen mit seiner schwedischen Gattin hat er International Language Centres auch in Cordoba, Algier, Beirut, Rom, Oran, Kuwait, Bangkok, Osaka und ähnlich unwahrscheinlichen Orten gegründet. Von Portugal bis Japan werden in seinen Schulen an jedem Tag des Jahres zumindest siebentausend Studenten von neunzig Lehrern ausgebildet. Alle diese Lehrer wurden nach seinem eigenen System geschult. "Wer Ausländern Englisch beibringen will, muß die Mentalität und die linguistische Eigenart von Nichtengländern kennen, um Erfolg zu haben. Er muß wie ein Bühnenregisseur denken und arbeiten."

Italiener stellen das stärkste Kontingent unter seinen Londoner Kursen, die Franzosen stehen an zweiter Stelle und die aus der Bundesrepublik an dritter. Die Deutschen nehmen vor allem an den vierwöchigen Ferienkursen teil. John Haycraft hat nichts als Lob für die Disziplin und den Lerneifer der deutschen Studenten, und dieses Urteil wird von den Leitern der anderen Sprachenschulen in England bestätigt.

Während die Atmosphäre im "International House" das englische Talent für glückliche Improvisation und kameradschaftliche Ungezwungenzeit widerspiegelt, erinnern die Gebäude der "Anglo-Continental School of English" (ACSE) in Bournemouth an ein ausgezeichnet geführtes Sanatorium auf dem Kontinent. "Wir empfangen hier Studenten, die in ihrer Heimat an einen hohen Lebensstandard gewöhnt sind, und müssen deshalb denselben Maßstab anlegen", erklärt der Studiendirektor G. Oetiker.