Ein medizinischer Report über die Spiele der XIX. Olympiade

Von Ernst Jokl

Professor Dr. Ernst Jokl von der University of Kentucky nimmt hier unter anderem zu der sportmedizinischen Streitfrage Stellung, ob in Mexico City bei Olympiateilnehmern Schädigungen des Zentralnervensystems entstanden sind oder nicht. Einigen speziellen Fachausdrücken haben wir in Klammern eine sinngemäße Übersetzung hinzugefügt.

Die Olympischen Spiele des Jahres 1968 boten eine einmalige Gelegenheit, eine Reihe von Sauerstoffmangelsituationen, die durch maximale Anstrengung herbeigeführt wurden, bei hochtrainierten Sportlern zu beobachten und sie in physiologischer, kardiologischer und neurologischer Sicht zu interpretieren. Im folgenden sollen zwei einschlägige Probleme besprochen werden:

  • Die in Mexico City in beispielloser Häufigkeit aufgetretenen Kollapse und
  • die unterschiedliche Empfindlichkeit des Zentralnervensystems und des Herzens gegenüber Sauerstoffmangel.

Die Kollapse

Zusammenbrüche nach Wettkämpfen ereigneten sich in Mexico City häufiger als je zuvor bei Olympischen Spielen. Die dabei zur Beobachtung gelangten klinischen Zustandsbilder lassen sich in vier Hauptgruppen einteilen, nämlich in 1. Migräneanfälle; 2. Plötzliche Bewußtseinsverluste mit nachfolgender retrograder Amnesie (Erinnerungslücke); 3. Schock-Kollapse mit tiefem Absinken des Blutdrucks und 4. Schlagartig einsetzende affektive Tonusverluste (Tonus = Spannungszustand) der Muskulatur.