Wir wissen ganz genau, daß die späteren Werke des wahren Dichters keineswegs bedeutender sind als die früheren, ebensowenig wie ein Weib, je öfter sie gebärt, desto vollkommenere Kinder zur Welt bringt; ein, das erste Kind ist schon ebensogut wie das zweite – nur das Gebären wird leichter.

Heinrich Heine

Ehrgeiz

Die Sachverständigenkommission, die Kultusminister Hahn in Stuttgart für eine neue "Hochschule für Gestaltung" in Ulm gebildet hatte, hat nach zwölf Sitzungen ein überraschend konkretes Konzept erarbeitet: Die HfG II soll, als "staatliche Schule eigener Art" relativ autonom, ein Aufbaustudium von vier bis sechs Semestern für Bewerber mit abgeschlossenem, für einen Beruf qualifizierendem Studium an Designerschulen, Akademien, Universitäten, Fachhochschulen, Ingenieurschulen ermöglichen; die HfG II soll fortan mit den drei Landesuniversitäten Ulm (Medizin, Psychologie), Stuttgart (Technik) und Konstanz (Gesellschaftswissenschaft) kooperieren; die Teamarbeit zwischen Dozenten und Studenten, die im Senat der HfG gleichberechtigt vertreten sein sollen, vollzieht sich auf den Gebieten Bauen, Produktgestaltung und Kommunikation. Neun Punkte beschlossen die Sachverständigen einstimmig; in einem Punkt, den Standort der HfG II in Ulm betreffend, gab es zur Überraschung aller anderen drei Gegenstimmen: Die Professoren Leonhardt, Götz und Stabe von der Universität Stuttgart, nunmehr Interessenvertreter ihres Instituts, wünschen die Einverleibung in die Universität Stuttgart. Abgesehen davon, daß Stuttgart nicht viel mehr als "eine stabile Baracke" für die HfG, Ulm hingegen eine voll eingerichtete, immerhin mit dem Image der Weltberühmtheit behaftete Schule zu bieten hat – es wäre töricht, diesem Wunsch zu folgen. Der Ulmer Rektor hat bereits protestiert, die Geschwister-Scholl-Stiftung auch, und der für Ulm plädierende Kultusminister wird sich hoffentlich nicht beirren lassen.

Preisgekrönt

Der mit 9000 Gulden dotierte holländische "Sikkens-Preis" wurde für dieses Jahr dem tschechischen Maler und Bühnenbildner Josef Svoboda zuerkannt. Svoboda erhielt die Auszeichnung für sein Gesamtwerk, mit dem er in über 300 Bühnenausstattungen von der festen Dekoration loszukommen und mit mobilen Flächen und Lichtwirkungen verschiedenster Art eine neue Bühnenwirklichkeit aufzubauen versucht. Eines seiner berühmtesten – und frühesten – Experimente dieser Art machte er für das Prager Theater Laterna Magica; bei der Brüsseler Expo 1958 wurde er damit auch im Westen weiter bekannt. Heute arbeitet Staatspreisträger Svoboda für alle größeren Bühnen, mit dem Opernregisseur Vaclav Kašlik und dem Kostümbildner Jan Skalicki bildet er ein ebenso zahlenmäßig produktives wie künstlerisch erfolgreiches Team.

Freier Eintritt