Voigtholz/Peine

Die Vernissage im Kuhstall begann morgens um zehn Uhr bei einer Temperatur von fast dreißig Grad. Der Künstler Hans Nowak strahlte, obschon die Zahl der Gäste hätte größer sein können, obschon die Feiertagsstimmung im Nachbardorf dem niedersächsischen Ministerpräsidenten und nicht ihm galt und obschon der Grund seiner relativen Berühmtheit – eine Monet-Fälschung aus dem vergangenen Jahr – den ihm zugedachten Ehrenplatz im Kuhstall nicht füllen konnte.

Die schönsten Irreführungen der künstlerischen Fachwelt dieses Jahrhunderts waren zum billigen Streitobjekt der Initiatoren dieser Irreführung geworden. Die Geschichte war durch die Presse gegangen, die Geschichte von dem Tabak- und Spirituosengroßhändler Hans Joachim Kiesel, einem Weltmann aus dem Wolfsburger Vorort Vorsfelde, und dem von Steuerschulden geplagten Kunstmaler Hans Nowak aus Voigtholz bei Peine, den der Staat quasi zwang, der Kunst zu entsagen, um gut verkäufliche Blümchen oder Birken im Moor zusammenzukleistern.

Nowak und sein Freund Kiesel kauften auf dem Pariser Flohmarkt im Februar vergangenen Jahres ein Jugendstilbildnis eines nackten Pärchens am Strand für 200 Francs. Künstler Nowak nun löste das Bildnis von der Leinwand und malte auf die so gewonnene alte Untergrundfläche eine Darstellung des Pariser Bahnhofs St. Lazare im Stile Monets, dessen St.-Lazare-Serie heute Hunderttausende kostet.

Auf den falschen Monet setzte Nowak im vergangenen Jahr eine dicke Kreideschicht und darauf dann wieder das zunächst abgenommene Jugendstilbildnis.

Mit diesem Bild ging Kunstfreund und Spirituosenhändler Kiesel nun eines Tages als stolzer Besitzer zum Braunschweiger Museum, um angeblich das liebgewonnene Kitschbild restaurieren zu lassen. Die Rechnung der beiden Spaßvögel Kiesel und Nowak ging auf: der junge Restaurator des Museums, Knut Nicolaus ("Man hofft als Restaurator immer etwas zu finden") entdeckte das St.-Lazare-Bildnis unter dem Kitsch und glaubte wie sein Chef, Museumsdirektor Adriani, einen bislang nicht bekannten echten Monet gefunden zu haben.

Nachdem die beiden den Schwindel zugaben, mußte erst das Münchener Doerner-Institut die Zweifel der Braunschweiger Experten mittels eines Gutachtens zerstreuen. Woanders amüsierte man sich köstlich.