Wer das Fürstentum Liechtenstein mit dem Auto durcheilt, muß Schaan passieren. Wer dort die Augen offenhält, wird ein großes Schild mit der Bezeichnung "bürotel" und einen Hinweis auf dessen Verwalter Dr. Werner Walser (Rechts- Treuhand- und Verwaltungsbüro) entdecken. Die Eröffnung dieser modernen "Steueroase" war kürzlich Anlaß großer Festlichkeit. Der Weihe des Hauses durch den Abt von Mehrerau – "Gottes Segen über alle Unternehmungen in diesem Hause" – wohnten rund 130 Gäste bei, denen fürstliche und konsularische Würze nicht fehlte:

S. D. Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein (nicht zu verwechseln mit dem regierenden Fürsten), S. K. H. Leopold von Österreich, Habsburg-Lothringen mit Gemahlin Letitia, S. K. H. Prinz Jussuf Kamal Mansuo Daoud aus Kairo (Vetter von Faruk), Dr. Bodo von Thyssen und Gemahlin, Generalkonsul G. Stieler und Gemahlin Lady Isabell...

Soraya war nicht mit von der Partie. Ebenso wie die Mitglieder der Liechtensteinschen Regierung sagte sie ab.

Diese illustre Schar, der das Steuersparen nicht ganz fremd sein dürfte, war durchsetzt von profanen Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Anwälten, deren Autokennzeichen sie größtenteils als Deutsche auswies. Ihrem Berufe gemäß vertreten sie einkommens- und vermögensstarke Mandanten, die täglich mit dem Problem der Steuerersparnis ringen müssen, die es aber aus naheliegenden "fiskalischen" Gründen vorziehen, nicht selbst in jenem lieblichen alemannischen Ländchen am Oberrhein zu erscheinen, das neben einigen Kantonen der Schweiz (zum Beispiel Zug), neben den Bahamas, den englischen Kanalinseln, Luxemburg, Monaco, San Marino und Andorra zu den bevorzugten Steuerparadiesen der Welt zählt.

Der geschäftstüchtige Liechtensteiner Werner Walser bietet den Abgesandten aus den Steuerhochburgen zusammen mit einem runden Dutzend Treuhändern und den drei Liechtensteiner Banken nicht nur seine Dienste als Geburtshelfer und Verwalter für steuersparende Briefkasten-Firmen (auch Basis-Gesellschaften oder Holdings genannt) an, von denen nach unzuverlässigen Schätzungen rund 18 000 existieren sollen, also mehr als es eingeborene Liechtensteiner (rund 16 000) gibt.

Walser erbietet sich nicht nur, seine Person als Mitglied des Verwaltungsrates dieser Gesellschaften zur Verfügung zu stellen, dem nach heimischem Recht ein Liechtensteiner oder zumindest ein Bürger angehören muß, der dort Domizilrecht hat, also nicht jedes Jahr seine Aufenthaltsgenehmigung erneuern muß.

Walser hat außerdem das "Internationale Institut für Wirtschaftsförderung e. V." gegründet, dessen Zweck, laut Satzung, sehr anspruchsvoll ist: "Förderung der europäischen Wirtschaft und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit." Mitglieder sind eben jene vorgenannten Steuerberater, die alle paar Jahre ein "Symposium" besuchen, auf dem man nebenher berufliche Erfahrungen austauschen kann. Es sind Steuerexperten, die auch zwischendurch einmal in Vaduz oder in Schaan absteigen und Geschäft mit Urlaub verbinden.