Endlich, werden die von Demonstrationen geplagten Vertreter des Establishments aufatmen können, endlich wissen wir, warum aus jungen Menschen Radikale werden. Das Buch des Amerikaners

Kenneth Keniston: "Young Radicals. Notes on Committed Youth"; Harcourt, Brace and World, New York 1968; 360 Seiten; 5,95 $

gibt – zumindest für die Vereinigten Staaten – die gewünschte Auskunft:

Die jungen Radikalen zwischen San Francisco und New York hatten eine stürmische Jugend in einem guten Elternhaus und erlebten eine frustierende Kette politischer Ereignisse, bis die Konfrontation mit den Mißständen der Gesellschaft sie "an das Ende der Linie" brachte, den Schock auslöste, der aus den anständigen boys and girls die Kerntruppe der New Left machte.

Das frischgewonnene Wissen um den Weg junger Menschen zum Radikalismus hält beim Leser jedoch nicht lange vor. Während der 290 Seiten langen Lektüre verdichtet sich der Verdacht: Die Methode, mit der Keniston zu seinen Aussagen kam, hält. einer wissenschaftlichen Prüfung nicht statt.

Die Organisatoren der Aktion "Vietnam Summer 1967", die den Protest gegen den Vietnamkrieg in allen Teilen Amerikas einen Sommer lang koordinierten, hatten den Psychologie-Professor an der Yale Medical School eingeladen, ihre Arbeit zu beobachten und später zu analysieren. Keniston analysierte die Organisatoren.

Seine "Notizen über die engagierte Jugend" stützen sich auf Interviews mit siebzehn der führenden Organisatoren von "Vietnam Summer". In ihnen einen repräsentativen Querschnitt der New Left zu sehen, hieße, deren amorphe Struktur zu verkennen. Ein großer Teil der amerikanischen Radikalen beteiligt sich aus politischen Gründen nicht an Aktionen auf nationaler Ebene; diese Gruppe wird nicht erfaßt.