In München-Milbertshofen stehen die Zeichen weiter auf Boom. Zwar müssen sich die BMW-Aktionäre für das Jahr 1968 wieder mit 12 Prozent Dividende zufriedengeben. Doch die Reservebildung aus dem auf 34 Millionen Mark um 54,6 Prozent gestiegenen Jahresüberschuß kommt bei einem Gewinn je Aktie von knapp 41 Mark dem Substanzwert der spekulativ überbewerteten Aktie zugute. Gehen die Erwartungen des Unternehmens in Erfüllung, brauchen sich die Aktionäre auch um die Entwicklung des Ertragswertes der Aktie keine Sorgen zu machen.

BMW, das 1968 nahezu 1,1 Milliarden umsetzte und damit seinen Umsatz in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelte, rechnet für 1969 mit einem Umsatzplus von "einigen hundert Millionen Mark". Die ersten vier Monate sind vielversprechend: der Umsatz stieg um 42,1 Prozent. Der Grund liegt in der anhaltenden starken Nachfrage nach den Typen der 1600/2002er Baureihe, von denen 1968 knapp 63 000 ( + 63 Prozent) produziert wurden, und in der guten Aufnahme des Programmes sportlicher Repräsentativ wagen (2500/2800).

Das einzige Wachstum, das man bei BMW bremsen möchte, sind die Lieferfristen. Auf die Modelle der 1600er-Reihe müssen die Kunden bis zu sechs Monaten warten. Die diesjährige Produktion des 2,8-Liter-Flaggschiffs ist bereits ausverkauft. Für 1969 sieht die Produktion 150 000 Fahrzeuge vor, davon 36 000 Sechszylinder. Auch das Motorradgeschäft soll durch das Angebot einer neuen Typenpalette (500, 600, 750 und 900 ccm) von der Stagnation befreit werden.

Um die Kapazitätsengpässe zu beseitigen, soll auch in den kommenden Jahren kräftig investiert werden. Für den weiteren Ausbau der Werke Milbertshofen, Dingolfing und Landshut veranschlagt die Firmenleitung bis 1971 durchschnittlich 200 Millionen Mark pro Jahr. Daß angesichts dieses Kapitalbedarfs auch die Aktionäre zur Kasse gebeten werden dürften, ist wahrscheinlich. Vorstandschef Wilcke rechnet zwar in diesem Jahr nicht mehr damit. Doch im nächsten Jahr wird es "heiß", fügte Verkaufschef Hahnemann hinzu. gr.