Von Michael Davie

Thor Heyerdahl, weltberühmt durch seine Kon-Tiki-Floßfahrt, ist an der marokkanischen Küste zu einer zweiten seltsamen Seereise gestartet.

Etwas Ähnliches hatte es hier seit dem Gastspiel der Marx Brothers in Casablanca nicht mehr gegeben. Hier in Safi, einem kleinen Hafen etwa dreihundert Kilometer südwestlich von Gibraltar, lag Thor Heyerdahls neues Boot; es sah noch bedenklicher aus als sein letztes, Kon-Tiki. Immer neue Wogen von Journalisten, hauptsächlich Skandinavier, überfluteten das Städtchen. Sie schimpften auf die Blechsitze der marokkanischen Omnibusse, verfluchten die unregelmäßigen Verkehrsverbindungen und befragten Frau Yvonne Heyerdahl, eine unbeugsame Blondine, immer mal wieder nach den Gefühlen, die sie bei den Vorbereitungen ihres Mannes zu seiner, wie viele meinen, zweifellos letzten Reise beschlichen.

Das neue Boot, Ra, das sehr gut ebenso berühmt werden kann wie Kon-Tiki, soll Heyerdahl und sechs Gefährten heil über den Atlantik bringen. Es besteht aus Papyrus und sieht wie ein bleiches, honigfarbenes Wikingerschiff aus Stroh aus, mit hohem Bug und Heck und einer Kabine hinten. Es sieht sehr schön aus – aber auch hoffnungslos seeuntauglich. Sorgfältig wurde es im Stil der Boote nachgebaut, die die alten Ägypter benutzten; denn Heyerdahls Fahrt soll klären, ob es den Ägyptern möglich gewesen wäre, zu Schiff den amerikanischen Kontinent zu erreichen.

Betritt man das Boot, fühlt man sich wie in einem langen und schmalen Weidenkorb. Am vorletzten Wochenende hatte man es zum erstenmal ins Wasser gelassen, dennoch war Heyerdahl entschlossen, möglichst gleich damit nach Zentralamerika zu segeln – eine Überfahrt, die weniger als drei, aber auch mehr als vier Monate dauern kann.

Man muß bezweifeln, ob das Unternehmen ohne Heyerdahls Persönlichkeit und Vergangenheit jemals so weit gediehen wäre. Es ist jetzt mehr als zwanzig Jahre her, seit er den Pazifik mit sechs Kameraden auf dem Floß aus Balsaholz überquerte, um zu beweisen, daß Polynesien von Südamerika aus habe besiedelt werden können. Die verkauften Exemplare des Buches „Kon-Tiki“, das er nach der Reise schrieb, würden, stapelte man sie aufeinander, doppelt so hoch wie der Mt. Everest sein; das behauptete hier jedenfalls ein norwegischer Journalist, der recht zuverlässig zu sein schien.

Irgend etwas machte dieses gefährliche Unternehmen zu der romantischsten Seereise des Jahrhunderts. – Mit diesem Floß, das sich, mit dem Gott Kon-Tiki blutrot auf dem Segel, bis nach Polynesien hinüberkämpfte, nachdem Heyerdahl von jedermann versichert worden war, er werde ertrinken. Heyerdahl gehört in den Augen mancher Leute zur selben Kategorie von Menschen wie Lindberg oder Shackleton.