Uneinigkeit kennzeichnet die kommunistische Weltbewegung,

Von Victor Zorza

Das Treffen der kommunistischen Weltbewegung, das nächste Woche in Moskau beginnt, wird nur noch ein fahler Abglanz dessen sein, was seine Veranstalter ursprünglich geplant hatten. Als der Kreml vor über fünf Jahren mit den Vorarbeiten begann, gedachten die sowjetischen Führer, die Welt durch eine massive Demonstration der Einheit zu beeindrucken – einer Einheit, die durch den Streit mit China erschüttert worden war. Auch wollten sie eine neue kommunistische Bibel herausgeben, mit der sich die Gläubigen die Welt erobern könnten.

Die Sowjets stießen jedoch fortwährend auf den Widerstand anderer Parteien, die des Kremls Motive für sehr egoistisch hielten. Das zwang die Russen wiederholt, die Konferenzziele zu verändern und das Treffen zu vertagen. In einer ganzen Reihe von Vorbereitungs-Konferenzen, deren jede eigentlich die letzte hätte sein sollen, machten sie ein Zugeständnis nach dem anderen.

Nach der letzten dieser vorbereitenden Konferenzen gaben die Delegierten der spanischen kommunistischen Partei ihrer Untergrund-Organisation "Nuestra Bandera" ein Interview, welches das volle Ausmaß des sowjetischen Scheiterns enthüllt. Sie sagten;

"Man kann sich nicht vorstellen, daß die bevorstehende Konferenz die Einheit der kommunistischen Weltbewegung wiederherstellen wird. Daher kann das Dokument, daß wir vorbereiten, kein Programm für die kommunistischen Parteien sein und keine Generallinie festlegen. Jeglicher Versuch, etwas Derartiges in die Konferenz hineinzutragen, könnte nur die Schwierigkeiten an den Tag bringen, die heutzutage unüberwindbar sind. Wir müssen von der Wirklichkeit ausgehen, und die Wirklichkeit ist, daß die kommunistische Weltbewegung gegenwärtig ernsthaft gespalten ist."

Dabei gilt der Bruch mit China jetzt schon als unabänderlich. Nicht diese alte Streitfrage ist es, die jetzt das Denken in der Weltbewegung beherrscht, sondern der neue Streit um den Einfall in die Tschechoslowakei.