Die Entwicklung abwarten, hieße auf Jahre hinaus vermeidbare Menschenopfer in Kauf zu nehmen.

Der Zusammenhang zwischen den Zweirädern und Unfällen ist evident. 1957 waren 100 Millionen Kraftfahrzeugkilometer mit dem Opfer von zwölf Menschen verbunden, 1966 kamen bei der gleichen Kilometerleistung aber nur noch acht Menschen ums Leben.

Die Zahlen sprechen für sich. 1967 verunglückten 69 000 Moped- und Radfahrer, davon 2500 tödlich. Auf zwei Rädern wird man zum meistgefährdeten Verkehrsteilnehmer. Mit dem Moped fährt einer, statistisch gesehen, im Durchschnitt nur 200 000 Kilometer ohne Verletzungen. Beim Kleinkraftrad bis 50 Kubik mit unbegrenzter Höchstgeschwindigkeit muß man schon nach 90 000 Kilometern mit dem Schlimmsten rechnen.

Der Weg mit dem Wagen oder mit der Straßenbahn ist jedenfalls sicherer. Ein Autofahrer übersteht rund eine Million Fahrkilometer ohne Verletzungen. Und in den öffentlichen Verkehrsmitteln passiert so gut wie nichts.

An der technischen Entwicklung zur Sicherheit auf den Straßen haben die Zweiräder keinen Anteil. Mit stabileren Fahrgastzellen, Knautschzonen und einem unfallbewährten Interieur reist man. im Auto von Jahr zu Jahr sicherer. Der Radfahrer ist so ungeschützt wie eh und je. Was hätte man auch verbessern können?

Es ist illusorisch, die Forderung nach getrennten Fahrwegen zu propagieren. Wer die Verhältnisse in den Städten kennt, weiß: Autos brauchen dringend Verkehrsraum. Und da, wo die meisten Unfälle passieren, ist ohnehin kein Platz mehr für Radwege.

Ich meine: Hier kann nur die Straßenverkehrsordnung etwas ändern. Fahrräder mit und ohne Motor sollten überall fahren – aber sie gehören nicht in den Großstadtverkehr, wo er am dichtesten ist. Das Radfahren sollte überall verboten sein, wo die Verkehrsanlagen mit getrennten Richtungsfahrbahnen, grüner Welle und einem Saum abgestellter Fahrzeuge ausschließlich auf den Pkw-Verkehr zugeschnitten sind. Schließlich sind auch Autobahnen den Rädern verwehrt.