Ich las in der Zeitung, Professor Donald T. Forman aus Illinois habe ausgerechnet, daß der Sauerstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff, das Nitrogen, das Calcium und verschiedene Spurenelemente, aus denen der menschliche Körper besteht, insgesamt einen Wert von 13,92 Mark haben.

Nun stellt sich die Frage: Soll man diesen Betrag dem Menschen dafür gutschreiben, daß er doch irgendeinen Wert hat (was zweifelhaft ist, seit der Sklavenhandel abgeschafft ist), oder soll man damit sein Konto belasten, weil er eine gewisse Menge wertvoller Stoffe bindet, die man viel besser verwenden könnte?

Mit der Antwort auf diese Frage beschäftigen sich die Philosophen schon ein paar tausend Jahre lang, überlassen wir es ihnen. Klar ist jedoch, daß es keinen ganz wertlosen Menschen gibt, und auch, daß, vom rein chemischen Standpunkt gesehen, die Wertunterschiede zwischen Menschen nicht sehr groß sein können: Wenn jemand auch Wasser im Kopf hat, also eine zusätzliche Menge an Sauerstoff und Wasserstoff, kann sein Wert höchstens auf 13,97 Mark steigen.

Der Mensch ist keine kostbare Investition – abgesehen davon, daß er in jedem Land herstellbar ist, ohne daß dazu Rohstoffe importiert werden müßten. Und in derselben Nummer der Zeitung war auch zu lesen, daß der Kaukasier Schirali Mislimov seinen 164. Geburtstag gefeiert habe. Welche Ware im Wert von 13,92 Mark hält heutzutage schon einhundertvierundsechzig – oder auch nur vierundsechzig – Jahre?

Ich kenne die Marktlage von Nitrogen und Calcium nicht gut genug, vermutlich aber wird die Entwicklung der chemischen Industrie eher zu immer niedrigeren Preisen führen. Das Gegenteil jedoch, einen Menschen zu töten, kostet immer mehr, und merkwürdigerweise wird das Töten, je mehr es technisiert und standardisiert wird, teurer. Im Zweiten Weltkrieg konnte man, so habe ich irgendwo schon vor längerer Zeit gelesen, eine Leiche für die Bagatelle von etwa 200 Dollar erzeugen; in Vietnam kostet es schon, wenn ich mich nicht irre, über 500 Dollar pro Sauerstoff – Kohlenstoff – Wasserstoff -Nitrogen-Calcium-Portion.

Das muß ja bedeuten, daß es nicht die chemischen Stoffe sind, die man mit so viel Mühe und Geld im Menschen zu töten versucht. Vielleicht besitzt er ja doch noch irgendwelche seltsamen und wertvollen Spurenelemente, die der chemischen Analyse entgangen sind. Zum Beispiel Spurenelemente von Menschlichkeit. Die hohen Mordpreise führen zu dem erfreulichen Schluß, daß der Mensch doch einen bedeutenden Wert hat – die Todeshändler sind doch ausgezeichnete Kaufleute. Gabriel Laub