Von Julian Semjonow

Das Stabsquartier des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes liegt am Kurfürstendamm. Zerschlagene Scheiben, Dreck auf dem Boden, Zigarettenstummel auf den Tischen, an der Wand deutsche, chinesische, russische und englische Losungen. Ein völliges Durcheinander: Neben einem Plakat, das den Vandalismus der maoistischen "Kulturrevolution" preist, findet sich eine Losung in russischer Sprache: "Bildung – der Weg zum Kommunismus".

Ich mache mich bekannt mit einem der Führer des ultralinken Flügels des SDS, Jürgen Horlemann. Er ist Schriftsteller, hat einige Bücher herausgebracht, half Peter Weiß bei seinem Stück über die amerikanische Aggression. Blaßblau, sehr exaltiert, schlug er sofort ein "aggressives" Tempo der Unterhaltung vor. Mich hat erschüttert, mit welchen abgestandenen, veralteten Attacken er uns, die UdSSR, angegriffen hat. Es stellt sich heraus, daß wir uns das erstemal von China im Jahre 1927 "abgewandt" haben. Es ist freilich lächerlich, aber der Ordnung halber frage ich:

"Dokumente? Tatsachen? Woher nehmen Sie Ihre Behauptung?"

Natürlich hat er weder Dokumente noch Fakten. "Sie helfen Vietnam wenig", sagt er mit unterdrückter Wut.

"Waren Sie in Vietnam?"

"Nein." Aber es wäre für ihn gut, dort gewesen zu sein und die sowjetischen Spezialisten zu sehen, die dem brüderlichen Volk helfen.