Bislang gab es bei der Commerzbank eine klare Rangordnung. Als Dr. Hanns Deuß vor 8 Jahren (damals 60jährig) seine Stellung als alleiniger Sprecher des Vorstandes aufgab und sich in den Aufsichtsrat wählen ließ, wo er sofort den Vorsitz übernahm, wußte jedermann, daß bei ihm nach wie vor alle Fäden zusammenlaufen würden. Er ist bislang auch der unbestrittene "Chef der Commerzbank" geblieben. Nach, ihm gab es keinen Sprecher der Gesamtbank mehr, sondern nur noch Sprecher für die Plätze Düsseldorf (Paul Lichtenberg), Frankfurt (Ernst Rieche) und Hamburg (Will Marx).

Unter diesen dreien mußte der "Kampf um die Spitze" ausgetragen werden. Dabei war von vornherein klar, daß der 1908 geborene Ernst Rieche nicht von Ambitionen geplagt war. Die Entscheidung mußte zwischen Lichtenberg und Marx fallen. Lichtenberg hat jetzt das Rennen gemacht.

Nun bleibt abzuwarten, ob das System der Regionalsprecher beibehalten oder ob Lichtenberg nach Ablauf einer gewissen Anstandszeit zum Gesamtsprecher der Bank gemacht werden wird. Das dürfte indessen nur noch für die Betroffenen selbst eine interessante Frage sein. An der Geschäftspolitik wird sich nichts ändern.

Sie wird schon heute maßgeblich mit beeinflußt durch die nachdrängende jüngere Generation, insbesondere von den Hauptabteilungsleitern, die teilweise jünger als 40 Jahre sind. Ihre Dynamik spiegelt sich besonders in dem Auslandsgeschäft der Bank wider, das 1968 ungewöhnlich aktiv gewesen ist. Das trifft nicht nur für das internationale Emissions- und Konsortialgeschäft zu, sondern mehr noch für das direkte Kreditgeschäft mit dem Ausland. Die junge Commerzbank-Generation will den Abstand zu den beiden größeren Großbanken, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank, verringern und aus deren Schatten heraustreten.

Unter geringeren Schwierigkeiten als bei der Commerzbank vollzieht sich der Generationswechsel bei der Dresdner Bank, wo ebenfalls die "Männer der ersten Stunde" nach und nach in Pension gehen und durch "junge Leute" ersetzt werden. Diese kennen die großen Bankenkrisen der 30er Jahre nur noch aus den Geschichtsbüchern und den Erzählungen ihrer Vorgänger. Sie wissen kaum etwas davon, wie ein Bankgeschäft geführt werden muß, dessen Fäden nach außen durch rigorose Regierungsmaßnahmen gekappt sind, und sie waren "Gehilfen", als es nach dem Kriege galt, die von den Alliierten zerschlagenen Institute wieder zu funktionsfähigen Einheiten zusammenzuführen.

Am 4. Juni 1969, dem Tag der diesjährigen Hauptversammlung der Dresdner Bank, wird Jürgen Ponto das Amt des Vorstandssprechers übernehmen und Dr. h. c. Erich Vierhub ablösen, der in dieses Amt kam, als die früheren Vorstandsmitglieder Ernst Matthiensen und Hans Rinn in den Aufsichtsrat überwechselten. Ernst Matthiensen ließ sich im Aufsichtsrat in dem Sessel des "großen alten Mannes der Dresdner Bank", Carl Goetz, nieder, der kurz zuvor gestorben war.

Mit Ponto (Jahrgang 1923) tritt ein "unbeschriebenes Blatt" an die Spitze der Dresdner Bank. Als langjähriger Chefsyndikus hat er im stillen gewirkt. Mit den großen, spektakulär gewordenen Transaktionen seines Hauses (die Krages-Affäre, der Schlieker-Konkurs und die Stinnes-Insolvenz), die in der Image-Prägung heute noch nachwirken, obwohl schon viele Jahre Gras darüber gewachsen ist, hatte er nur indirekt etwas zu tun. Die Verantwortung trugen dafür damals Matthiensen, Rinn und das heute noch im Amt befindliche Vorstandsmitglied Werner Krueger in Düsseldorf.