Unser Kritiker sah:

GUYS AND DOLLS

Musical frei nach Dämon Runyon

Musik und Verse von Frank Loesser

Theater am Goetheplatz, Bremen

Wenn in Bremen ein Musical vorgestellt wird, das seit 1950 in New York 1200mal gegeben wurde, dann möchte man annehmen, daß diese "deutsche Erstaufführung" weder um des scheinbar garantierten Werkerfolges noch um der Publizität willen kreiert wurde. Peter Zadek hat in den ersten Jahren der Bremer Hübner-Ära eine Reihe von englischen und amerikanischen Musicals inszeniert, deren artistische Reproduktionsansprüche ein deutsches Stadttheater überstrapazierten, die dennoch von keiner vergleichbaren Bühne derart staunenswert bewältigt wurden. Nach dem Grund seiner Musical-Pflege befragt, hat mir Zadek damals gesagt, er wolle durch ausländische Beispiele deutsche Autoren anregen, in dieser Form auch deutsche Stoffe zu behandeln. Die Hoffnung hat getrogen. Zadek wandte sich inzwischen anderen künstlerischen Aufgaben zu. In Frankfurt am Main zahlt die Generalintendanz augenblicklich lieber Konventionalstrafe, als ein blindlings gebuchtes deutsches Musical aufzuführen.

Was jetzt in Bremen herausgebracht wurde, muß gegen die Erinnerung an den Film ankämpfen, der unter dem nicht ganz treffenden Titel "Schwere Jungs – leichte Mädchen" gelaufen ist. Mit einer Bombenbesetzung überhöhte er den Musical-Stoff unter der Regie von Mankiewicz zu einer fast schwerelosen Gaunerkomödie und prunkvollen Revue. Wenn im Bremer Theater am Goetheplatz die (von Janne Furch textierte) deutsche Fassung des Musicals beginnt, wird man an beste Zadek-Effekte erinnert. Doch diesmal stammt die Inszenierung von Alfred Kirchner.