Sie haben nur fünf Minuten Zeit. Fünf Minuten, die über Leben und Tod eines anderen Menschen entscheiden. Fünf Minuten, oder: eine Zigarette lang.

Die "World Health Organisation (WHO)" sagt es in einem Report über Unfallhilfe und Unfallopfer wieder einmal mit aller Deutlichkeit: "Die ersten paar Minuten nach einem Verkehrsunfall sind, in vielen Fällen bestimmend dafür, ob die Verletzten am Leben bleiben oder – ob sie sterben werden. Diese ersten, so ungemein wichtigen Minuten stellen die größten Anforderungen an die Helfer."

Aber die Helfer sind nicht vorbereitet, die Laien unter den Helfern – die Autofahrer. Nur ein geringer Prozentsatz, darf sich mit Recht den Vorwurf verbitten ahnungslos, hilflos dazustehen, wenn am Straßenrand seine Hilfe gebraucht wird.

Ärzte sind meistens nicht die allerersten am Unfallort. Die WHO drängt deshalb darauf, alle Autofahrer in Erster Hilfe gründlich auszubilden. (In der Bundesrepublik wird es bald soweit sein: Ab 1. August müssen Führerscheinanwärter einen Erste-Hilfe-Kursus absolvieren; ZEIT Nr. 20/1969.) Mehr noch: bereits in den Schulen sollte damit angefangen werden.

Jeder auf der Straße muß in der Lage sein, an einem Unfallort das Richtige zu tun und die lebenswichtigen Funktionen von Verletzten solange zu erhalten, bis ein Arzt die weitere Behandlung, übernimmt. Jeder sollte also

  • Verletzungen erkennen können: Atemnot, Versagen des Kreislaufs, innere Verletzungen;
  • entsprechende Hilfe leisten können: Atemwege frei machen, Mund-zu-Mund-Beatmung machen, Blutungen stoppen.

Aber auch den Medizinern sagt der WHO-Report bittere Wahrheiten: Viele Ärzte haben nur ungenügende Erfahrungen mit Wiederbelebungstechniken, an den Universitäten ist Reanimation (Wiederbelebung) weder Lehr- noch Prüfungsfach.