Von Friedebert Becker

Der einst kaum beachtete, vielgelästerte und mit düsteren Prognosen bedachte Europapokal der Fußball-Landesmeister und (später auch) der Fußball-Pokalsieger entwickelte sich in wenigen Jahren zu einem europäischen Ereignis, das alle Einigungsbestrebungen der Politiker und Wirtschaftler weit überholte.

Der Europapokal kannte schließlich – trotz gelegentlicher politischer Einmischungen und Störversuche – zumindest prinzipiell keinen eisernen Vorhang mehr. Daß es ausgerechnet im Programm dieser Saison zu Absagen und Protesten aus politischen Motiven kam, mag man hüben und drüben längst bedauert haben.

Die Initiatoren des Dokumentarfilms "Europapokal", der in diesen Wochen im Zweiten Deutschen Fernsehen gelaufen ist, übertrieben nicht, wenn sie ihn "Pokal für Millionen" tauften. Er begeistert Millionen Menschen, er bringt Millionen Mark, Rubel, Pfund, Peseten, Lire, Franken, Schillinge, Dinare und so weiter, und so weiter ins Rollen. Er drängt sich in den Kreis von Millionen Zeitungslesern. Rundfunk-, Fernsehsendungen strahlen ihn in Millionen Häuser ganz Europas, er füllt mit der Zeit zu Millionen die Lohn- und Prämientüten der Akteure, der Spieler, er scheffelt die Millionen, von denen sich die Spieler Häuser, die Vereine gewaltige Sportplatzanlagen bauen.

Das Zweite Deutsche Fernsehen arbeitete an diesem Dokumentarfilm in engster Fühlungnahme mit dem Europäischen Fußball-Verband, der UEFA. Es öffneten sich ihm so auch Türen, die normalen Sterblichen verschlossen bleiben. Der Film leuchtete hinter die Kulissen, er mischte sich unter die Spieler, unter die Massen und saß mit den "Großen" der Klubs am Tisch.

Es hätte natürlich auch gereizt, den Streifen chronologisch ablaufen zu lassen: wie es anfing, wie es weiterlief und sich zum Europapokal von heute entwickelte. Aber das hätte monatelang Abende gefüllt und vielleicht in einer zu reichen, minuziösen Folge von Spielszenen auch die Fußballbegeisterten auf die Dauer ermüdet.

So steckte man sich zum Ziel, mit diesem Dokumentarfilm in vier Folgen zu etwa zwanzig Minuten Glanzlichter aus den nahezu eineinhalb Jahrzehnten Europapokal aufleuchten zu lassen. Der Film spielt Scheinwerfer in die erregendsten Stunden, eine Reihe der packendsten Spiele, hinter die Kulissen der Vereine, besonders aber eben jener, die die Geschichte des Europapokals entscheidend bestimmten. Dramatik zu entfesseln stand über dem (gewiß verlockenden) Ziel, filmisch bloß Geschichte zu schreiben.