Von Rudolf Walter Leonhardt

Neunundzwanzig von dreiunddreißig Ordinarien der Medizin an der Universität Gießen sind im Mai mit einem Manifest an die Öffentlichkeit getreten, das auf der einen Seite kopfschüttelnde Ratlosigkeit, auf der anderen empörte Proteste ausgelöst hat.

Die Kernsätze für Kopfschüttler und Protestanten:

1. Die Sonderstellung der Medizin erlaubt keine Auflösung in künstlich geschaffene Fachbereiche.

2. Kliniken und Institute sind von der Sache her in ihrer Struktur geprägt und müssen erhalten bleiben.

3. Eine starre Gruppenvertretung (Hochschullehrer, wissenschaftl. Assistent, Student) bedeutet hier falsch verstandene Demokratie. Mehrheitsbeschlüsse können Qualifikation nicht ersetzen.

Versuche, die Medizinische Fakultät gewissermaßen vor der Hochschulreform zu retten als etwas Besonderes, wo es eben "um Leben und Tod geht", sind so alt wie die ersten Versuche, mit der Hochschulreform ernst zu machen. Daß sie nun auch in Gießen unternommen werden, wäre, überregional gesehen, kaum eine Meldung wert.