Die Mehrzahl der Unterzeichner dieses Briefes sind Studenten und Doktoranden, die hofften, nach diesem Kurs die in ihrem Fach anfallende Fachlektüre in nur einem Drittel der bisherigen Zeit bewältigen zu können, so wie es das Institut in seinen Broschüren verspricht.

Mit Ausnahme einer Lektion und zweier Bücher erfolgte die Schulung im Kurs ausschließlich an Romanliteratur, und auch für die Hausarbeiten wurde uns immer wieder solche Lektüre empfohlen. Die Lesegeschwindigkeit der meisten der Unterzeichner dieses Briefes steigerte sich programmgemäß um mindestens das Dreifache. Zwar hatten wir das Gefühl, daß unser Verständnis des Textes sank, aber bei einigermaßen ausgeprägtem Kombinationsvermögen waren wir zumeist durchaus in der Lage, auch bei vier- bis fünffacher Geschwindigkeit (verglichen mit unserem Anfangstempo) das Wichtigste der Handlung zu verstehen.

Leider versagte die uns beigebrachte Lesemethode völlig bei der für unser Studium notwendigen Fachlektüre.

Das Institut garantiert nicht nur mindestens Verdreifachung des Tempos, sondern auch gleichbleibende Verständlichkeit. Zur Überprüfung dieser Garantie bedarf es eines Maßindexes, den das Institut mit seinen Tests und speziellen Berechnungmethoden gefunden zu haben glaubt: nach der Lesung werden Testfragen beantwortet, und zwar muß man hier entweder Worte ergänzen ("Was rief XY aus, als er zum erstenmal von der Atombombe erfuhr? Das ist das Ende der ... zu ergänzen "Demokratie"). Eine Aussage als wahr oder unwahr (das heißt im gelesenen Text enthalten oder nicht enthalten) klassifizieren oder unter drei oder vier Möglichkeiten die richtige auswählen ("Wo verbrachte der alte Mann seine Kindheit? a) Afrika; b) Florida; c) England; d) Neu-England".) Die fast ausschließliche Beschränkung auf diese auch in ihrem Herkunftsland USA durchaus umstrittene Testmethode erlaubt es, einen ungemein hohen Verständnisquotienten zu errechnen auch dann, wenn man keineswegs in der Lage wäre, die gelesene Handlung oder den Gedankengang wiederzugeben: vage und bruchstückhaft im Gedächtnis haftengebliebene Sätze und Handlungsteile sind leichter wiederzugeben als die Handlung selbst.

Unser Fazit: Wer Schwierigeres zu bewältigen hat als Roman- und Zeitungslektüre wird aus dem Kurs nicht viel mitnehmen und ihn – auch und gerade bei Erreichen des versprochenen Zieles – als glatte Fehlinvestition betrachten.