Wohlbehalten sind am Montag die drei amerikanischen Astronauten Thomas Stafford, Eugene Cernan und John Young mit ihrem Raumschiff Apollo 10 im Pazifik gelandet. Hinter ihnen lag eine Acht-Tage-Reise zum Mond, in deren Verlauf Stafford und Cernan die mitgeführte Mondfähre in zwei Tiefflügen bis auf 15 186 Meter an den Erdtrabanten herangesteuert hatten.

Nach ihrem jüngsten Weltraumerfolg wollen die Amerikaner im Juli erstmals auf dem Mond landen. Am 16. Juli sollen die Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins mit Apollo 11 von Kap Kennedy aus starten. Wenn alles glatt verläuft, wird Armstrong, gefolgt von Aldrin, den Erdtrabanten als erster Mensch am 21. Juli morgens um 5.10 Uhr MEZ betreten.

Der bis auf einige allerdings gravierende Pannen reibungslose Flug von Apollo 10 hat in der Welt großes Aufsehen erregt. US-Präsident Nixon gratulierte den Astronauten zu ihrer "prächtigen Leistung". Das Moskauer Parteiorgan "Prawda" bezeichnete die drei als "mutige Männer", "die eine weitere glanzvolle Seite in der Geschichte der Eroberung des Kosmos geschrieben haben". Millionen von Fernsehzuschauern hatten die Mondreise wieder auf ihren Mattscheiben verfolgen können.

Auf der Spitze einer mächtigen Saturn-5-Rakete war Apollo 10 am Sonntag vor vierzehn Tagen in Kap Kennedy zum 600 000-Meilen-Flug gestartet. Die Hinreise verlief so einwandfrei, daß die Astronauten den Kurs ihres Raumschiffes nur einmal zu korrigieren brauchten.

Am vorigen Mittwoch brannte sich Apollo 10 in eine Mondumlaufbahn ein. Am Donnerstag begann der wichtigste Teil der Reise – der Landeanflug der Mondfähre, der nicht ohne aufregende Zwischenfälle ablief:

  • Beim Umsteigen in das spinnenbeinige Mondboot "Snoopy" wurden Cernan und Stafford durch Teile der Glasfaserisolierung aufgehalten, die im Verbindungstunnel zum Mutterschiff "Charlie Brown" umhertaumelten.
  • Der Verbindungstunnel war nicht zu entlüften, erst durch eine Drucksenkung in der Kommandokapsel ließ sich, das für das Trennungsmanöver unerläßliche Vakuum herstellen.
  • "Snoopy" geriet während des zweiten Anflugs in eine wilde Drehbewegung, die Stafford erst durch Umschalten von der falsch programmierten Automatik auf Handsteuerung abfangen konnte.
  • Die für die Mondannäherung und das Rendezvous mit "Charley Brown" entscheidenden Radaranlagen funktionierten nicht exakt.

Trotz allem konnte die Mondfähre ihre beiden wichtigsten Aufgaben erfüllen: Die Triebwerke der Auf- und Abstiegsstufe wurden achtmal gezündet – und liefen normal, der Mond wurde planmäßig angesteuert – die drei ins Auge gefaßten Landeplätze auf der Äquatorachse des Mondes ließen sich photographieren.

Die endgültige Entscheidung über den Starttermin von Apollo 11 soll in zwei bis drei Wochen fallen. Eine Verschiebung des Abflugs könnte in Frage kommen, um den Astronauten noch mehr Zeit zum Training zu verschaffen. Neue Gesichtspunkte können sich auch aus der Auswertung des Apollo-10-Fluges ergeben. Cernan, Stafford und Young durften nach ihrer Landung nur ein kurzes Wiedersehen mit ihren Familien feiern. Dann belegte sie das Raumfahrtzentrum in Houston/Texas mit Beschlag. Dort sollen die drei Mondfahrer zwei Wochen lang befragt und getestet werden.