Hamburg 6. und 7. Juni, Dr. Ernst Hauswedell: "Auktion Alte und Moderne Kunst"

Die 140 Handzeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts sind auch für Sammler mit beschränkten finanziellen Möglichkeiten interessant. Außerdem in der Alten Kunst ein geschlossenes! Konvolut von Chodowiecki (1300 Kupfer, Schätzpreis 7500 Mark). In der modernen Abteilung werden rund 1500 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, graphische Blätter und Skulpturen angeboten, darunter ein Hauptwerk von Liebermann ("Badende Knaben" von 1900 für 40 000 Mark), ein wichtiges Bild von Hans Arp ("Schlangenkranz", um 1946, für 50 000 Mark), drei frühe gegenständliche Arbeiten von Mondrian (für 15 000 und 20 000 Mark), ein "Jeremias" von Weissgerber, ein Gemälde von Manessier, aquarellierte Federzeichnungen von Wols (zwischen 5000 und 9000 Mark), Plastik von Barlach ("Der Flötenbläser", 24 000 Mark) bis Zadkine ("Adam et Eue", um 1925, für 34 000 Mark). Den Auftakt der Modernen-Kunst-Versteigerung am 7. Juni bildet die größte Graphickollektion von Schmidt-Rottluff, die jemals angeböten wurde, rund 125 Blätter von der "Brücke" bis in die Mitte der zwanziger Jahre.

Hofheim/Taunus Bis zum 13. Juni, Galerie 66: "ars accurata"

Ars accurata meint nicht alles, was in der Kunst akkurat gearbeitet ist, keine phantastische und keine realistische Akkuratesse, sondern ungefähr das gleiche, was die Nürnberger Biennale unter konstruktiven Tendenzen versteht. Und was in Nürnberg nicht erreicht wurde, das schafft die kleine mittellose und couragierte Hofheimer Galerie mühelos, weil sie sich der Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens gar nicht erst bewußt wird. Hermann Krupp, der 1966 die Galerie 66 gegründet hat, ist selber Maler, er vertraut auf sein eigenes Urteil, nicht auf die Maßstäbe des internationalen Kunstmarkts, er sucht sich die Leute aus, die er kennt und schätzt und die in sein Konzept passen. Es stört ihn nicht, wenn der Maler, wie Günter Neusel, zufällig auch auf der Nürnberger Biennale dabei ist. Aber er präsentiert auch andere Namen, Jockel Walz und den Schweizer Peter Aegerter mit konstruktivistischen Farbobjekten, die Kurvenbilder des Italieners Maurizio Nannucci, Röhrenskulpturen von Hans Nagel und zwei neue hervorragende Bilder vom alten Ernst Geitlinger, diesem seltsamsten Wanderer zwischen den Stilen, der schließlich im strengen Bau geometrischer Elemente und einer reduzierten Palette seinen Frieden mit der Malerei geschlossen hat. Ars accurata ist der Auftakt für einen dreiteiligen Ausstellungszyklus. Es folgen ars multiplicata + ars mobilis sowie ars popularis (Pop Art und Folgen). Ars accurata ist vom 20. Juni bis zum 18. Juli in Hamburg, Centrum im Siemers-Hochhaus, zu sehen.

Köln Bis zum 8. Juni, Wallraf-Richartz-Museum: "E. W. Nay"

Werner Haftmann, der es nie versäumt hat, sich zu Nay zu bekennen, hat seinem Freund die Gedächtnisausstellung eingerichtet. Er legt den Nachdruck auf die – noch weitgehend unbekannten – späten Bilder, die "Krönung und Synthese seiner ganzen Arbeit" seien. Ich kann Haftmanns Ansicht nicht teilen. Wenn er die ornamentale gelbe Form auf dem letzten Bild als den Umriß einer Figur deutet, "die den Arm zum abschiednehmenden Grußgestus hebt", dann handelt es sich um die Interpretation eines Freundes, die niemand nachzuvollziehen oder nachzuempfinden in der Lage ist. Haftmann bietet verführerische Stichworte: Nomadenkunst, vor grenzenlosem mythischen Fond zu denken, voll schweifender Phantasie in der Abstraktheit des endlosen Ornaments. Ich sehe in dem Spätwerk, das man von 1965 an datieren kann, ein schreckliches Verkümmern der außerordentlichen koloristischen Qualitäten, die Nay besessen hat. Die hart, wie mit der Schere geschnittenen Formen, die Spiralen und gezackten Konturen stehen wie hilflose Arabesken auf der Fläche und dokumentieren, daß der Maler auf der Suche nach "geheimnisvollen Symbolen" (E. W. Nay) gescheitert ist. Die vorangegangenen Schaffensphasen werden nicht als kontinuierlicher Ablauf, sondern in einem unerhört eindrucksvollen Stakkato vorgeführt, wichtige Bilder aus den entscheidenden Jahren, Lofotenbilder von 1937, die mythologischen von 1945, die polychromatischen "Scheibenbilder" Mitte der fünfziger Jahre. Die Bilder, auch dies eine ungewöhnliche Darbietungsmethode, sind in chronologischer Umkehr gehängt und katalogisiert, das letzte Bild hat die Nummer 1, der Betrachter soll von da bis zu den Anfängen zurückgehen. Die Ausstellung geht weiter in die Nationalgalerie Berlin, ins Städelsche Kunstinstitut Frankfurt und zum Kunstverein in Hamburg.

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