Die Deutsche Brown, Boveri & Cie AG in Mannheim, 56prozentige Tochter der Schweizerischen Gruppe gleichen Namens, die aber mehr umsetzt als die Mutter allein, will konjunkturunabhängiger werden. Vom letzten Umsatz (1,45 Milliarden Mark) entfielen nämlich rund 53 Prozent auf die klassischen Bereiche Energieversorgung und Energieanwendung, 26 Prozent auf technische Serienerzeugnisse und 21 Prozent auf Haushaltsgeräte und Kälteprodukte.

Der neue Trend: mehr kleine Güter in großer Serie. Ausgebaut werden soll vor allem der bisher etwas "stiefmütterlich" behandelte Sektor technischer Serienerzeugnisse, der so verschiedene Bereiche wie Schalter, Automaten, Halbleiter, Elektromotoren, Kabel und Leitungen sowie Meßtechnik umfaßt. Denn hier ist man bedeutend weniger von der Konjunktur abhängig als im Großgeschäft mit Kraftwerken, Turbinen, Transformatoren und Industrieanlagen. Und hier ist auch die Konkurrenz, zum Beispiel die neue Kraftwerks- und Transformatoren-Union von Siemens und AEG, nicht so unerhört stark.

Man spricht in Mannheim offen von einer Strukturverbesserung, die das Wachstum sichern und die deutsche BBC-Gruppe schlagkräftiger machen soll. Dazu gehören auch Aufkäufe von Firmen und Kooperationen. So wurden Anfang dieses Jahres der Geschäftsbereich Elektro der Busch-Jäger Dürener Metallwerke AG und das Stromerzeugungsaggregate-Geschäft der Firma Hans Still GmbH in Hamburg übernommen. Damit kaufte man rund sieben bis acht Prozent des Umsatzes hinzu. Und ein genehmigtes Kapital von zehn Millionen Mark bildet eine gute Reserve für neue Beteiligungen.

Die Neugliederung der Produktion kostet aber auch Geld. BBC plant nämlich für 1969 Investitionen von gut 120 Millionen Mark. Um sie zu finanzieren, wurden bereits zwei langfristige Kredite von 50 Millionen Mark aufgenommen. Dazu werden die Aktionäre jetzt zur Kasse gebeten. Die letzte echte Kapitalerhöhung war 1962 (um 20 Millionen Mark zu 100 Prozent). Diesmal wird das Kapital um zehn Millionen Mark aufgestockt. Der Ausgabekurs: 250 Prozent. Die Mannheimer hätten gern noch etwas mehr gehabt, aber man wollte auch die Aktionäre nicht überfordern. Zumal die rund 5000 freien Aktionäre seit 1960 mit dem "festen" Dividendensatz von 16 Prozent bedient werden.

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