Dynamisches Lesen ist keine Lern-, sondern eine Lesemethode. Einen Denkprozeß vermag es nicht zu ersetzen. Alle hochgespannten Erwartungen in dieser Richtung müssen daher schon der Natur der Sache nach fehlgehen. Auch beim dynamischen Lesen gilt die Regel, daß die Augen nicht schneller als der Verstand sein können. So kann dynamisches Lesen den Intelligenzquotienten nicht steigern, es kann aber zu einer optimalen Ausnutzung verhelfen.

Dynamisches Lesen ist eine ganz neue Lesetechnik, die sich vom konventionellen Lesen grundlegend unterscheidet. Dynamisches Lesen spürt zunächst Lesefehler auf, baut sie dann ab und ersetzt sie schließlich durch neue positive Lesegewohnheiten:

Durch Vor-, Mit- und Nachdenken werden Texte im Lesen gleichsam aufbereitet, um besser erfaßt werden zu können. Entscheidend ist das Erkennen von Hauptgedanken, das Einordnen von Untergedanken und das Aussondern unwichtiger Textstellen. Wichtig ist dabei, daß der dynamische Leser sich vor oder spätestens bei der Lektüre gleichsam selbst "programmiert".

Das "Vorprogrammieren", die Aufnahme größerer Texteinheiten, rhythmisches Lesen und eine Verbesserung des räumlichen Sehens führen zu einer neuen Leselust. Aufbereitung des Textes und Leselust führen dann zwangsläufig zu höherer Lesegeschwindigkeit, die selbstverständlich je nach Talent und Eifer variiert.

Übertragen auf das Lesen von Fachliteratur bedeutet das: Schwierige Textstellen, die zu Denkpausen zwingen, weil womöglich Wort für Wort überdacht werden muß, können nach keiner noch so gearteten Methode schneller gelesen oder gar verstanden werden.

Dynamisches Lesen ist aber vorzüglich dazu geeignet, bei solchen Texten das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen, und zwar schneller und präziser als beim konventionellen Lesen, und gibt dann mehr Zeit, sich dem Wesentlichen zu widmen. Selbstverständlich setzt das richtig verstandene dynamische Lesen voraus, daß der Leser weiß, was er will, wenn er Fachliteratur liest. Er muß sich erst entsprechend "vorprogrammieren". Wer ziellos und lustlos einen Fachtext liest, liest nicht "dynamisch".

Der Acht-Wochen-Kurs im dynamischen Lesen ist ein Grundkurs zur Erlernung der technischen Fertigkeiten und der gehörigen Einstellung zu einer völlig neuartigen Lesemethode; deshalb werden die Übungen in der ersten Phase des Kurses mit leichterer Literatur durchgeführt. Später, im fortgeschrittenen Stadium, sollen die Kursteilnehmer vorzugsweise ihren eigenen besonderen Lesestoff zur Übung verwenden. Selbstverständlich ist es absurd zu erwarten, innerhalb von acht Wochen das seit Jahren beim konventionellen Lesen weitgehend brachliegende Fassungsvermögen von etwa 10 Millionen bit des vorbewußten Gedächtnisses so weit zu aktivieren, daß es möglich wäre, den reinen Lernprozeß zu beschleunigen.