Von Franz Putz

Wer war Camilo Torres? Über ihn erscheinen in diesem Jahr drei Bücher, aber den meisten Deutschen ist sein Name noch unbekannt. Hier die Lebensdaten:

Camilo Torres wurde 1929 als Sohn einer privilegierten Familie in Kolumbien geboren. In der Erzdiözese Bogotá wurde er zum Priester ausgebildet, an. der Universität Löwen in Belgien studierte er Politische Wissenschaf ten und Soziologie. Danach war er Lektor und Studentenpfarrer an der Universität Bogotá. 1964 begann er mit dem Aufbau der politischen Organisation "Einheitsfront"‚ im Dezember des Jahres 1965 schloß er sich der Partisanenorganisation "Nationale Befreiungsarmee" an. Zwei Monate später, am 15. Februar 1966, wurde er unter ungeklärten Umständen ermordet

Was wollte die kolumbianische Volksfrontbewegung? In ihrem Programm, vom 17. März 1965 heißt es:

"Im Augenblick lehnt die Mehrheit die bestehenden politischen Parteien und das gegenwärtige System ab, aber sie verfügt nicht über einen angemessenen politischen Apparat, der sie befähigte, die Macht zu übernehmen. Dieser noch, zu bildende politische Apparat muß pluralistisch sein. So wird er auf die Unterstützung der neuen Parteien, der Unzufriedenen in den bestehenden Parteien, der nicht politischen Organisationen und der Massen allgemein rechnen können."

Torres’ letzter Aufruf, signiert "Aus den Bergen, Januar 1966":

"In den kolumbianischen Bergen will ich den Kampf mit dem Gewehr in der Hand fortsetzen, bis das Volk die Macht übernommen hat. Ich bin in die ‚Nationale Befreiungsarmee‘ eingetreten, weil in ihr die Ideale der Vereinigten Volksfront vertreten werden. Hier habe ich nicht nur den Wunsch, sondern die Verwirklichung einer Einigung bis ins letzte Glied gefunden. Dieser bäuerliche Block kennt keine religiösen Unterschiede und keinen traditionellen Parteizank ... Hier gibt es keinen Führerkult..."