Dietrich Bächlers Modell einer "demokratischen Leistungs-Universität" weist auf die Hochschule der Zukunft. Auch sie kann ohne Prüfungen nicht auskommen. Horst G. Steinmeyers "Chronologie als Analyse" zeigt die Prüfungsmisere deutlicher, als Polemik sie zeigen könnte. So stellt sich Immer von neuem die Frage nach einer

Prüfungen sind kein Vergnügen. In der Schule nicht, an der Universität nicht, im sogenannten Leben auch nicht.

Die Sehnsucht nach einer Welt ohne Prüfungen ist nur zu begreiflich. Es ist die Sehnsucht nach Rousseaus wilderen, edleren Menschen, die heute von der deutschen Jugend in Kuba oder in China angesiedelt werden.

Aber die differenzierte Leistungsgesellschaft eines industriellen Zeitalters kann nicht mehr zurück zur Natur. Aller Zorn dagegen ist zur Ohnmacht von vornherein verurteilt.

Es wäre also lächerlich, wenn Schüler und Studenten sich bei ihren in vielem so berechtigten Protesten vom Wunschtraum einer Welt ohne Prüfungen leiten ließen. Auch wir, die wir so wunderbar weich geworden sind gegenüber den Wünschen unserer Kinder – sie müssen ja ein bißchen länger als wir auskommen mit der Welt, die sie sich da bauen: auch wir können ihnen Prüfungen nicht ersparen; ebensowenig wie die Rebellen von heute in zehn Jahren eine Möglichkeit finden werden, ihren eigenen Kindern eine prüfungsfreie Welt zu gewähren.

Und ob die wirklich so wünschenswert wäre?

Es ist auch nicht wahr, daß die Prüfungen an unseren Schulen und Universitäten generell zu schwer seien. Sie werden oft sogar zu leicht gemacht, da viele Prüfende ein schlechtes Gewissen schon hatten, ehe ihr Selbstbewußtsein durch junge Rebellen verunsichert wurde.