Nach amtlichen Vorausschätzungen wird die Rentenversicherung der Angestellten in den nächsten Jahren nach wie vor Überschüsse erwirtschaften; auf die Rentenversicherungsanstalten der Arbeiter kommt demgegenüber bis 1972 ein Defizit von insgesamt 12 Milliarden zu. Der Grund dafür liegt in der laufenden Verschiebung der Beschäftigtenstruktur zugunsten der Angestellten. Wenn auch die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte sich vor einigen Tagen bereit erklärt hat, die Arbeiterrentenversicherungen finanziell zu unterstützen, so wäre doch eine einheitliche Rentenanstalt für Arbeiter und Angestellte nicht nur die vernünftigste, sondern auch die gerechteste Lösung dieses Strukturproblems. Das wird jedoch zur Zeit in Bonn als politisch nicht durchsetzbar angesehen.

Die Experten sind sich einig. Ein Umbau des organisatorischen Aufbaus der Rentenversicherung ist überfällig. Bedenkt man, daß die Rentenversicherung der Arbeiter immerhin schon seit 1889 besteht, so kann das kaum verwundern. Aus dieser Zeit resultiert denn auch die Aufteilung der Arbeiterrentenversicherung in 18 Landesversicherungsanstalten; immerhin mehr, als es Länder in der Bundesrepublik gibt.

Und das, obwohl die Experten damals wie heute anderer Ansicht waren. Der in der Gründungsphase der Rentenversicherung unbestritten beste Sachkenner, der damalige Staatssekretär von Boetticher, plädierte vor dem Reichstag für eine Einheitsversicherung. Allein, vor 80 Jahren war bei den verbündeten Regierungen des Staatenbundes dafür ebensowenig eine Mehrheit zu haben wie bei den Ländervertretungen des heutigen Bundesstaates.

Diese 18 Landesversicherungsanstalten stellen auch nur einen Teil aller -Träger der Rentenversicherung dar. Hinzu kommen außerdem noch zwei Sonderanstalten (Bundesbahn und Seekasse), acht knappschaftliche Versicherungsanstalten sowie die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Alles in allem 29 Träger der Rentenversicherung. Muß das sein?

Der Sozialbeirat beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. "Die sachlich klarste Lösung wäre die Einrichtung einer einheitlichen Bundesanstalt für Arbeiter und Angestellte."

Warum, so ist man versucht zu fragen, muß es beispielsweise verschiedene Träger für die Arbeiter- und Angestelltenversicherung geben? Die Begründungen der Angestelltenverbände, mit denen sie seinerzeit eine Sonderanstalt forderten, können heute bestenfalls noch ein Lächeln hervorrufen:

  • Die Frauen der Angestellten haben keine Berufsausbildung;
  • die Kinder der Angestellten erfordern höhere Ausgaben für Erziehung und Bildung;
  • die geistigen Kräfte werden im Erwerbsleben schneller verbraucht;
  • die Situation von Arbeitern und Angestellten ist grundsätzlich verschieden.