Nach der Herausforderung durch linke Gewerkschaftsführer wurde Großbritanniens glückloser Premier Harold Wilson vorige Woche auch noch vom rechten Rebellenregime in Rhodesien provoziert. Über Rundfunk erklärte Ian Smith am Freitag, die "unzugängliche britische Haltung" habe alle Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung des Unabhängigkeitskonflikts zerstört. Tags darauf publizierte die Regierung den Entwurf für eine republikanische Verfassung, über die am 20. Juni abgestimmt werden soll.

Diese Verfassung würde nicht nur die Apartheid von Schwarzen und Weißen verewigen, sondern auch den Bruch zwischen Rhodesien und Großbritannien besiegeln: Das "Weißbuch" der Regierung zur Verfassungsreform schlägt alle Mahnungen des Mutterlandes die viereinhalb Millionen Eingeborenen im Regiment der 400 000 Siedler in absehbarer Zeit wirksam zu beteiligen, in den Wind,

Trotz der Sanktionen, die die Vereinten Nationen gegen das im November 1965 von Großbritannien abgefallene Rhodesien verhängten, trotz der Verhandlungen, die Wilson 1966 auf der "Tiger" und 1968 auf der "Fearless" mit Smith führte, war dessen Regime, das selbst unter dem Druck der Ultras der "Rhodesischen Front" steht, nicht zum Einlenken bereit.

Der britische Außenminister hielt die rhodesischen Vorschläge denn auch für ein "Desaster". Sir Alex Douglas Home, Außenminister im Schattenkabinett der Konservativen urteilte: "Großbritannien kann nicht Partner dieser Art von Verfassung sein."

Noch hofft die Regierung Wilson, Rhodesien werde im Juni einen "weiseren Weg in die Zukunft wählen" (so Stewart). Sie will die Tür zu Verhandlungen offenhalten. Eine deutliche Sprache schlug dagegen Kaiser Halle Selassi von Äthiopien an, zur Zeit Präsident der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU): "Gewalt ist die einzige Sprache, die kolonialistische und rassistische Regimes verstehen."