Abenteuer Prüfungsflug

Von Rudolf Braunburg

Der Autor dieser Serie führt als Flugkapitän Linienmaschinen auf der Südafrika- und der Nordamerika-Route.

In der Ära der Kolbenflugzeuge gehörte das zu den gängigen Bemerkungen, die von Passagieren zur Stewardeß gemacht wurden: "Fräulein, sagen Sie doch mal dem Kapitän, daß sein rechter Motor steht!"

Im Düsenzeitalter sind solche Fälle hilfreicher Beobachtungsgabe sehr selten geworden, nicht etwa, weil das technische Verständnis des Fluggastes gewachsen wäre, sondern weil nur noch der Kenner während des Fluges ein stillgelegtes von einem laufenden Turbinentriebwerk unterscheiden kann. Die Furcht vor der Technik als etwas Unberechenbares, Heimtückisches, das den Menschen überrumpeln könnte, wird aber immer noch und wieder wach: Ein Motor fällt aus, und der Kapitän hat es womöglich gar nicht bemerkt...

Die Furcht kennzeichnet den falschen’ Standpunkt des Menschen, der sich mißtrauisch und mit bangem Zagen dem "Moloch Technik" konfrontiert sieht. Dieser Standpunkt entspricht nicht der Realität.

Der Passagier, der in Chikago oder Hamburg sein Flugzeug besteigt (das in schlechten Romanen fast immer als "Clipper" bezeichnet wird, obwohl diese Bezeichnung nur für die Flugzeuge der "PanAm" zutrifft), hat zwar grundsätzlich Vertrauen in das technische und handwerkliche Können seines Kapitäns; aber er hat nicht die geringste Ahnung davon, welche Unsummen die Fluggesellschaft in ihre Cockpitbesatzung investiert, um sie "fit" zu halten – damit sie nicht inmitten ihres technischen Apparates mit der bangen Frage sitzt, ob denn heute wohl alles gutgehen werde – sondern daß sie mit souveräner Überlegenheit arbeitet.