Zwei Tage nach dem Umsturz im Sudan hat der neue linksgerichtete Revolutionsrat die DDR am Dienstag voll anerkannt. Nach der Anerkennung durch den Irak und Kambodscha konnte Ostberlin damit den dritten diplomatischen Erfolg in vier Wochen verbuchen.

Der Sudan hatte seinen Botschafter – wie auch andere arabische Staaten – im Mai 1965 aus Bonn abberufen, nachdem die Bundesrepublik diplomatische Beziehungen mit Israel aufgenommen hatte. Der jetzige Schritt wurde in Khartum mit der araberfreundlichen Haltung Ostberlins im Nahostkonflikt begründet. Das Auswärtige Amt wertete die DDR-Anerkennung in einer ersten Stellungnahme als "unfreundlichen Akt".

Nach einem offenbar unblutig verlaufenen Putsch hatte der zehnköpfige Revolutionsrat unter Führung des bisher unbekannten Obersten Dschaafar Mohammed al Honda (35) die Macht an sich gerissen. Der bisherige Staatspräsident al Azhari und Premierminister Mahgoub wurden unter Hausarrest gestellt. Alle Parteien, das Parlament und der Präsidialrat wurden aufgelöst. 22 hohe Offiziere, darunter der bisherige Generalstabschef, wurden aus ihren Ämtern entfernt, Regimegegnern wurde der totale Kampf angesagt.

Hinter dem Umsturz standen die Armee und die seit 1964 geachteten Kommunisten. Dem zehnköpfigen Revolutionsrat gehört als einziger Zivilist der ehemalige Oberste Richter und jetzige Ministerpräsident Abubakr Awadallah (51) an, der ein neues Kabinett vorstellte. Er charakterisierte das neue Regime als "links, sozialistisch, aber nicht extremistisch oder fanatisch". Das wichtigste sei die Verteidigung arabischer Interessen in Palästina, die Errichtung einer "echten Demokratie" im Sudan und der Kampf gegen den Imperialismus in Afrika.

Awadallah, der bislang als einer der drei Kandiaten für das Präsidentenamt gegolten hatte, war schon an dem Staatsstreich beteiligt gewesen, dem 1964 der Militärdiktator Ibrahim Abboud zum Opfer fiel. Schon damals hatte sich die Linke mit unzufriedenen Offizieren verbündet. Sie machten jetzt einer seit April währenden Regierungskrise ein Ende, um "Chaos und Korruption" im Lande zu beseitigen.