Reihenhäuser sind am deutschen Immobilienmarkt zu problematischen Artikeln geworden. Kleben sie aneinander in Reih und Glied – wie mit einem Lineal gezogen –, so finden sie immer weniger Abnehmer. Wer Hauseigentümer ist, möchte nicht in einem "umgekippten Mehrfamilienhaus" leben mit Direktanschluß an nachbarliche Daseinsformen.

Clevere Bauherren zogen daraus Konsequenzen. Die wichtigste: Reihenhäuser werden "versetzt" gebaut. Nachbars Tisch und Bett werden architektonisch abgetrennt.

Neuerdings gibt es auch einen Namen für solche Objekte. Wortschöpferisch veranlagte Unternehmer verkaufen sie als "Versatzhäuser".

Fast überall im Bundesgebiet weiß jeder, was damit gemeint ist. Nicht so die Bayern. Sie kennen zwar Versatzhäuser, zweifeln aber an deren Verkäuflichkeit. Denn ein Versatzhaus ist in Bayern ein – Pfandhaus, anderswo auch Leihhaus genannt.

In Münchner Zeitungen Versatzhäuser anzubieten, führt deshalb zu bedeutsamen Interessenten-Rückfragen. Ein Bauherr beschloß dieser Tage, schleunigst auf den neuen Namen zu verzichten. Einige potentielle Kunden glaubten nämlich, von dem Namen auf den Finanzierungsmodus schließen zu können. Sie seien bereit, das Haus zu übernehmen – schrieben sie –, solange der Eigentümer es als Pfand habe abtreten müssen. Sie baten freilich um Mini-Mieten, weil sie ja jederzeit damit rechnen müßten, daß der Verpfänder es zurückfordere.

Merke: Neue Namen schaffen neue Risiken.

izh