Der bundeseigene Salzgitter-Konzern, seit Jahren in einer schweren Krise, hat wie fast alle Bereiche der deutschen Wirtschaft auch von der im vergangenen Jahr einsetzenden Verbesserung der Konjunktur profitiert. Der Betriebsverlust, der sich in drei Jahren auf rund 450 Millionen Mark angehäuft hatte und durch einen radikalen Kapitalschnitt, beseitigt worden war, erreichte 1967/68 (30. 9.) "nur" noch 85 Millionen Mark.

Salzgitter-Chef Hans Birnbaum hatte ursprünglich mit "über 100 Millionen Mark Verlust" für das Berichtsjahr gerechnet und sowohl für das laufende als auch für das nächste Geschäftsjahr noch negative Ergebnisse einkalkuliert. Im Aufwind eines unerwartet heftigen Booms, der besonders die Stahlindustrie erfaßt hat, wagt Birnbaum jetzt die Prognose, daß bereits zum 30. September 1969 keine roten Zahlen mehr vorgelegt zu werden brauchen.

Die Konsolidierung hat in der Tat beachtliche Fortschritte gemacht. Die großen unternehmerischen Probleme der Sanierung in einigen wichtigen Konzernbereichen sind schon gelöst. Die Salzgitter-Tochter Büssing, bis vor kurzem größtes Sorgenkind, hat in der MAN einen leistungsfähigen Partner gefunden. Die beiden Howaldts-Werften in Kiel und Hamburg sind mit der Deutschen Werft zu einem gesunden Großunternehmen zusammengekoppelt worden, und die Salzgitter-Chemie, die im Alleingang nicht mehr lebensfähig war, geht in diesen Tagen für 56 Millionen Mark in den Besitz der Veba über.

Das Hüttenwerk, das nun schon seit etwa einem Jahr keine Verluste mehr einstecken mußte, soll mit der benachbarten Ilseder Hütte zu einer größeren und damit kostenoptimalen Einheit von vier bis fünf Millionen Jahrestonnen Rohstahl verschmolzen werden. Es gibt freilich Fachleute, die raten, bei der Vergrößerung der niedersächsischen Stahlbasis mit äußerster Behutsamkeit vorzugehen.

Trotz besserer Erlöse und geringerer Kosten und trotz beachtlicher planmäßiger Kapitalzuführung durch den Großaktionär in den letzten und den kommenden Jahren dürfte eine weitere, bisher noch nicht zugesagte Entschuldung der Hütte durch kräftige Zuschüsse aus Bonn unvermeidlich sein, wenn dieser wichtigste und größte Bestandteil des Konzerns jetzt heiratsfähig werden soll. hd.