Europas größter Autohersteller VW (Umsatz 11 Milliarden) ist dem größten Autoproduzenten der Welt ein Dorn im Auge. Der General-Motors-Konzern, dessen Umsatz mit 91 Milliarden Mark ungefähr so hoch ist wie der Haushalt der Bundesrepublik, will nicht länger tatenlos zusehen, wie VW den Absatz in den USA weiter erhöht. Er möchte mit der Neukonstruktion eines Kleinwagens (Planbezeichnung XP-887) in die 10-Prozent-Domäne ausländischer Hersteller auf dem US-Markt eindringen.

Das neue GM-Modell ist vor allem dazu ausersehen, den Käfer zu verjagen; es wird sich aber auch mit Maverick, dem "Stier" von Ford herumschlagen müssen, der ebenfalls als VW-Bremser fungieren soll. Möglicherweise bekriegen sich letzten Endes nur GM und Ford – während VW ungeschoren bleibt.

XP-887 soll laut Ankündigung im Geschäftsbericht den "beliebtesten importierten Kleinwagen" an Komfort, Innenabmessungen und Leistung übertreffen. Allerdings wird sich GM auch selber ins Gehege kommen: Tochterfirma Opel verkaufte im vergangenen Jahr immerhin 85 000 Kadetts in den USA.

General Motors ist der größte privatwirtschaftliche Arbeitgeber der Welt; mit 757 000 Arbeitnehmern beschäftigt er soviel wie die sieben größten deutschen Unternehmen zusammen. Der Umsatz von 91 Milliarden Mark überstieg das Vorjahresergebnis von 77 Milliarden Mark um 14 Prozent. Der Gewinn (gemessen am Umsatz) war jedoch mit 7,6 Prozent niedriger als 1967 (8,1): Hier wirken sich die gestiegenen Lohnkosten und die zehnprozentige Ergänzungsabgabe zur Einkommensteuer aus. Wegen des höheren Gesamtumsatzes wurde aber mit 6,02 Dollar je Aktie mehr Gewinn erwirtschaftet als 1967 (5,66 Dollar). Als Dividende werden 4,3 Dollar (Vorjahr 3,80) je Stammaktie ausgeschüttet.

Wegen des hohen Anteils der Eigenmittel (70 Prozent) an der Bilanzsumme und den geringen langfristigen Schulden (2 Prozent) des Konzerns hat das Wirtschaftsmagazin "Fortune" GM vor einem "Raid", dem Übernahmeversuch durch kleinere Gesellschaften, gewarnt. Bei diesen "Raids" werden Aktien eines Unternehmens zu überhöhten Kursen gegen Schuldverschreibungen des "Raiders" getauscht. Dieser zahlt die Schulden dann aus dem Vermögen des eingekauften Konzerns zurück

Bislang hat sich aber noch niemand an den Auto-Giganten herangewagt. Der Brocken ist wohl doch zu groß: GM wird an der Börse mit etwa 100 Milliarden Mark bewertet. hh