Normalität ist ein durchaus unsicherer Zustand.

Herbert Marcuse

Philologen-Tourismus

Zum zweitenmal findet in diesem Jahr in Dublin ein internationales James-Joyce-Symposion statt: Sieben Tage lang, vom 10. bis 16 Juni, versammelt sich der immer zahlreicher werdende weltweite Orden der Joyce-Scholaren im Trinity College und im Gresham Hotel, um sich von neuen Entdeckungen vor allem im unausschöpflichen "Finnegans Wake" zu berichten, Übersetzungsprobleme zu diskutieren, den Bloomsday zu feiern und auf den Wegen des Meisters zu wandeln. Die Anmeldungen waren derart zahlreich, daß die ursprünglich vorgesehenen Termine nicht ausreichten. Eine wenig beachtete Wirkung von Literatur: sie steigert den Philologen-Tourismus.

Ungenügende Mitarbeiter

Aus dem elf Personen umfassenden Redaktionskollegium der Moskauer Zeitschrift Junostj (Jugend) sind drei entlassen worden: der Lyriker Jewtuschenko, der Romancier Akssenow und der Bühnenautor Rosow. Es wird ihnen ungenügende Mitarbeit vorgeworfen, und das mag glaubwürdig sein, denn viel "Sitzfleisch" ist ihnen nicht unbedingt zuzutrauen. Daß die Veränderung zugleich eine Einschränkung der Aktivität der drei Autoren bedeutet, ist kaum zu befürchten. Jewtuschenko zum Beispiel war mit etlichen neuen Gedichten in der erst kürzlich ausgelieferten März-Nummer von Nowy mir (Neue Welt) vertreten. Der verdienstvolle Chefredakteur, Twardowskij, der diese literarische Monatsschrift elf Jahre geleitet hat und 59 Jahre alt ist, tritt nun auch zurück. Als Grund wird Twardowskijs Leberleiden angegeben. Twardowskij hat Autoren wie Solshenizyn, Wosnessenskij, Nekrassow und den Satiriker Iskander entdeckt oder früh und entscheidend gefördert; Ob bei den Veränderungen stalinistische Elemente am Werk sind, wird man erst am zweiten Teil des Revirements erkennen können: an der unbekannten Neubesetzung.

Teilnahme erwünscht

Jeder, der möchte, kann einzeln oder in einer Gruppe teilnehmen an einer Veranstaltung, die unter dem Titel "Operationen" für die Zeit vom 16. Juli bis 11. Oktober von einer Gruppe junger Künstler und Kunststudenten im Fridericianum in Kassel geplant ist. Das Tummelfeld der Ideen steht offen für alles, was mit Environment, Licht, Film, Kinetik, Bild, Ton und Spielaktionen zu tun hat. Weitere Auskünfte gibt das Sekretariat in Kassel, Frankfurter Straße 247.