Von Helmut Salzinger

Peter Weiss war einmal ein sehr guter Schriftsteller. Aber er gehörte schon immer zu denen, für die es ein nicht zu unterdrückendes Bedürfnis ist, sich zu etwas zu bekennen. Peter Weiss bekennt sich zu Standpunkten, und er kann heute schon auf eine recht stattliche Reihe verlassener zurückschauen.

Der erste, dessen mühsamen Erwerb er in seinem autobiographischen Roman "Fluchtpunkt", erschienen 1962, beschreibt: "An diesem Abend, im Frühjahr 1947, auf dem Seinedamm in Paris, im Alter von dreißig Jahren, sah ich, daß es sich auf der Erde leben und arbeiten ließ und daß ich teilhaben konnte an einem Austausch von Gedanken, der ringsum stattfand, an kein Land gebunden."

Der "dritte", noch zur Zeit seiner Arbeit an der "Ermittlung" besetzt. gehalten: "Weil ich nicht an politische Gesellschaftsformen glaube – so wie sie heute sind –, wage ich es nicht, irgendeine andere vorzuschlagen. Natürlich ist das ein Zeichen von Schwäche... Ich stehe aber nur in der Mitte. Ich vertrete den dritten Standpunkt, der mir selber nicht gefällt... Ich schreibe, um herauszufinden, wo ich stehe, und deshalb muß ich jedesmal all meine Zweifel hineinbringen."

Der zweite, ein Jahr später bekanntgegeben: "Die Richtlinien des Sozialismus enthalten für mich die gültige Wahrheit... Ich habe lange geglaubt, daß mir die künstlerische Arbeit eine Unabhängigkeit verschaffen könnte, die mir die Welt öffnete. Heute aber sehe ich, daß eine solche Bindungslosigkeit der Kunst eine Vermessenheit ist... Ich sage deshalb: Meine Arbeit kann erst fruchtbar werden, wenn sie in direkter Beziehung steht zu den Kräften, die für mich die positiven Kräfte dieser Welt bedeuten."

Damit also wird der "dritte Standpunkt", den Peter Weiss im selben Aufsatz jetzt den "bequemen" nennt, aufgegeben. Den sozialistischen Standpunkt vertritt er bis heute.

Dennoch hat er es inzwischen doch schon zu einem weiteren Standpunkt gebracht, wenn der auch nicht eigentlich ein vierter ist, sondern nur ein Derivat des zweiten, ein Standpunkt zwei a, der sich zum Standpunkt zwei verhält wie der Komparativ zum Positiv. Dieser sozialistischere Standpunkt eignet sich besonders zum Vorgezeigtwerden.