Wirtschaft

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DIE ZEIT

Die sieche Koalition

Die Große Koalition ist schon einige Zeit nicht mehr im besten Zustand. Seit Bundeskanzler Kiesinger das Bedürfnis verspürt, sich als starker Mann zu präsentieren, ist sie in Gefahr zu zerbrechen.

Bonn macht’s nicht möglich

Zwar ist nahezu gewiß, daß Hermann Schmitt-Vockenhausen auch in den neuen Bundestag einziehen wird; er kandidiert in einem für die SPD aussichtsreichen Wahlkreis, aber er wird als angeschlagener Mann zurückkommen.

Fragwürdiger Schlußstrich

Nach dem Auschwitz-Prozeß sollte mit einer Verfahrensserie gegen rund 100 "Schreibtischtäter" aus Heydrichs Reichssicherheitshauptamt eine zweite Gruppe von Massenmördern aus der Zeit des Dritten Reiches vor Gericht gestellt werden.

Sühne-Urteil

Ein Münchner Schöffengericht hat den 27jährigen Rechtsreferendar Rolf Pohle zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt; Bewährung ist ausgeschlossen.

Vergatterung im Kreml

So weit der Wille Moskaus reicht, soll die proletarische Dienstvorschrift des Sowjetkommunismus wieder absolute Geltung haben.

Pompidou bleibt Favorit

Der erste Wahlgang der Präsidentenwahl hat gezeigt, daß der Gaullismus in Frankreich über eine stabile Anhängerschaft verfügt und daß er sich nachhaltig auf die Strömungen der Innenpolitik ausgewirkt hat.

Ein behäbiger Harter

Niemand in der Ära Nixon, so lautet das einhellige Urteil in den Vereinigten Staaten, hat sein Amt schneller und besser in den Griff bekommen als Verteidigungsminister Melvin Robert Laird.

ZEITSPIEGEL

"Die Gewerkschaften sehen klarer als viele andere Kräfte, daß wir totalitären Versuchen in dieser Welt von rechts und links nicht mit dem Hinweis auf vollere Schaufenster und den schöneren Verfassungstext begegnen können.

Vergessene Kriege

Seit drei Jahren wird in Biafra geschossen, getötet, gehungert. Es hat lange gedauert, bis die Menschheit diesen Krieg überhaupt zur Kenntnis nahm.

Rumänien blieb hart

Augenzwinkernd zeigten sich die Rumänen letztes Wochenende an den Zeitungskiosken die beiden Telegramme, mit denen die Titelseiten der Parteipresse geschmückt waren: Im einen beglückwünschte Staatschef Ceausescu den amerikanischen Präsidenten zum gelungenen Mondflug, und in der zweiten Depesche dankte die chinesische Parteiführung den "teuren Genossen" in Bukarest dafür, daß sie als einzige kommunistische Partei in der sowjetischen Einflußsphäre eine Grußadresse an den Pekinger Parteikongreß gerichtet hatte.

Petition aus Potma

Aus dem Straflager Potma haben politische Gefangene eine Petition an den Obersten Sowjet gerichtet. Sie appellieren an die Abgeordneten, die Gesetze zu ändern, nach denen sich die Lagerordnungen richten, sie bitten, den Strafvollzug zu überprüfen.

Presse am Zügel

Um den neuen Zensoren eins auszuwischen, veröffentlichte eine Prager Zeitung unlängst auf ihrer letzten Seite die Gründe, die der schottische Journalist James MacDonald im Jahre 1882 dafür angegeben hat, daß er um keinen Preis in Prag leben möchte: "Die väterliche Wachsamkeit der Regierung ist aufdringlich und tut weh.

Der Ursprung der Doktrin

Die Hallstein-Doktrin war das Ergebnis eines Sündenfalles: der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Bonn und Moskau im September 1955.

Die Praxis der Hallstein-Doktrin

22. 9. 1955 Bundeskanzler Adenauer vor dem Bundestag: Die Bundesregierung werde auch künftig die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der DDR durch dritte Staaten als unfreundlichen Akt ansehen, "da er geeignet wäre, die Spaltung Deutschlands zu vertiefen".

Kriseln in Bonn

Je größer die Hektik, desto länger die Geduldsprobe. Wann immer in Bonn ein Konflikt heraufzieht, kündigt er sich den Schlachtenbummlern durch zwei sichere Zeichen an: Beratungen sonder Zahl und Stunden zermürbenden Wartens.

Das Ende der Doktrin?

In Bonn gibt es nur noch wenige Politiker, die sich zur Hallstein-Doktrin bekennen; das ändert nichts daran, daß die Reste davon von einem Teil der CDU und vom Kanzler mit großem Einsatz verteidigt werden.

Die Grenzen der Waffenbegrenzung

Im Juni will sich der Nationale Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten schlüssig werden, welche Vorschläge zur Begrenzung der Rüstung mit strategischen Waffen Washington dem Kreml unterbreiten soll.

Jubiläum ohne Jubel

Israel feierte unlängst den 21. Jahrestag seiner Staatsgründung, es gedachte der Wiedervereinigung Jerusalems vor zwei Jahren.

Nervenprobe in Vietnam

Die Schlacht bei den Midways, der erste große Seesieg der Amerikaner über die Japaner, brachte die Wende im pazifischen Krieg.

Wiedergutmachung: Viel Lärm um nichts

Für die in Nordrhein-Westfalen in Opposition stehende CDU schien sich ein Geschenk des Himmels anzubahnen. Die Partei, der die Wiedergutmachungsaffäre Gerstenmaier noch in den Knochen steckt, war elektrisiert, als die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post" von einem "Riesenbetrug mit Wiedergutmachungsgeld" zu berichten wußte und deren Lokalrivalin, die "Düsseldorfer Nachrichten", gar den der SPD angehörenden nordrhein-westfälischen Justizminister Josef Neuberger mit dieser Affäre in Verbindung brachte.

Auch ein Rabbi ist ein Deutscher

1920 wurde er in Streda, Kreis Preßburg (Tschechoslowakei), geboren. Sein Vater war Rabbiner. Seine Mutter starb, als er drei Jahre alt war.

Die Wahrheit über Zinn

Nur sehr vage wissen Hessens Bürger, wie es ihrem Ministerpräsidenten geht, der am 10. April mit einem Gehirnschlag in ein Wiesbadener Krankenhaus eingeliefert wurde und jetzt in der Klinik für Physikalische Medizin und Balneologie in Bad Nauheim behandelt wird.

Ränkespiel um Erich Mende

Knapp vier Monate vor der Bundestagswahl exerzieren die Parteien das ränkereiche Spiel der Kandidatennominierung. Ehrfurcht und Staunen müßte die Wähler erfüllen – wüßten sie nur, mit wieviel List und Schläue an den Kandidatenlisten gebastelt wird.

Dokumente der ZEIT

Der rumänisch. Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu hat sich jüngst in dem parteitheoretischen Organ "Probleme des Friedens und des Sozialismus" sehr positiv, über die Aussichten einer europäischen Entspannung geäußert.

Krise in Argentinien

Nach dem 24stündigen Generalstreik am Freitag voriger Woche und den blutigen Unruhen, die insgesamt 13 Todesopfer gefordert hatten, normalisierte sich die Lage in der argentinischen Industriestadt Cordoba bei Wochenbeginn.

Absage an Rocky

Gouverneur Rockefeller, von Präsident Nixon auf Good-Will-Reise durch 23 Staaten Lateinamerikas geschickt, ist von der venezolanischen Regierung wieder ausgeladen worden.

Pompidou – Sieger im ersten Wahlgang

Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl am vorigen Sonntag hat noch keine Entscheidung gebracht, da keiner der sieben Bewerber die erforderliche absolute Mehrheit erreicht hat.

Putsch der Königstreuen?

Ist die griechische Militärregierung vorige Woche einem Gegenputsch der Royalisten zuvorgekommen? Diese Frage knüpfte sich an die Verhaftung und Verbannung von zehn pensionierten Generälen und hohen Stabsoffizieren.

Große Koalition – letzter Versuch

Die Bonner Koalitionsparteien haben am Montag einen letzten Versuch unternommen, für den Rest der Legislaturperiode einen Modus viveidi zu finden und einen Bruch des Regierungsbündnisses knapp, vier Monate vor der Bundestagswahl zu verhindern.

Schlag gegen die Reformer

Die neue Prager Parteiführung ist fest entschlossen, die innenpolitische Reform zu drosseln und, ihr Verhältnis zur Sowjetunion weiter zu verbessern.

Doch immerhin Künstler

Vor genau einem Jahr hatten wir die documenta, das neueste, was Pop, Op, Kinetik, Environment, Minimal, Hard Edge zu bieten hatten, war in Kassel zu besichtigen, Arnold Bodes Wort von der besten documenta, die es je gab, wurde von Eingeweihten und denen, die auch gern so tun, schon vor der Eröffnung zu Höchstpreisen verkauft.

Als Burgen zu Fabriken wurden

Als Burgen zu Fabriken wurden Die Zyklopenwelt der modernen Technik ist überaus reich an Motiven. Ich meine nicht bloß das bißchen Rauch", schrieb Menzel und machte sich, ein Realist mit aufgekrempelten Ärmeln, an "Das Eisenwalzwerk".

Kunstkalender

Sensationell auf der Berner Auktion ist die Picasso-Graphik, aus der Sammlung GBL. Es beginnt mit der geschlossenen Folge der "Saltimbanques"; die 14 Radierungen werden erst einzeln und dann zusammen verauktioniert, das höhere Gebot erhält den Zuschlag.

Kunst im Krieg

Kunstwerke, in Museen auf- und ausgestellt, sind aus ihrem ursprünglichen Ambiente herausgenommen und vom lebendigen Geschehen der Epoche, in der sie entstanden, praktisch isoliert.

Der Schönste

Zwei Jahre ist es her, da sagte der schöne Bazon Brock zur schönen Heike Doutiné, als diese Gedichte vortrug, wer so schön sei wie sie und er, der brauche keine Gedichte mehr zu schreiben und zu rezitieren, denn der sei selbst eins.

Recht hübsch getroffen

An Goethe-Bildern ist von Tischbein bis Schadow gewiß kein Mangel, der Geheime Rat und Dichter der Nation wurde oft genug porträtiert.

Auch Goethe immer mehr geteilt

Der Göttinger Universitätsprofessor, der Frankfurter Kirchenrat und der Hamburger Journalist, die am 28. Mai voller Erwartungen ihre Pilgerfahrt zum Genius von Weimar angetreten hatten, sind nicht weit gekommen.

Mit Damen

In Sachen Hochschul- und Studentenpolitik wurde in der vergangenen Woche permanent getagt: Zur gleichen Zeit wie der VDS in Göttingen tagten in Hannover die Rektorenkonferenz und die Bundesassistentenkonferenz, die Rektoren diesmal wieder mit Damenprogramm.

Salzburg hat immer Saison

Vor sechzehn Jahren hat Siegfried Hummer, hauptberuflich Inhaber eines Salzburger Reisebüros, mit Leib und Seele aber der Musik verschrieben, einen Engpaß erkannt und aus.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Manchmal ist schwer zu verstehen, warum Musikstücke verschwinden – sei es, daß sie einfach vergessen, daß sie unter Vorurteilen begraben worden sind, sei es, daß sie wirklich nichts taugen.

Die Rechte ist tot – aber was heißt hier links?

Lahm und ordentlich begann die außerordentliche Mitgliederversammlung des VDS in Göttingen. In der Aula der Pädagogischen Hochschule hatten nur die Berliner eine rote Fahne neben sich aufgepflanzt; die Masse der Delegierten verließ sich im Kampf um die zukünftige Struktur des VDS auf ihr in Leitzordnern gesammeltes Archiv.

ZEITMOSAIK

226 Delegierte und 140 Gäste nahmen am ‚VI. Deutschen Schriftstellerkongreß" in der Ostberliner Kongreßhalle teil. In einer Erklärung in das ZK der SED formulierten die Delegierten unter anderem: "Unsere sozialistische Gesellschaftsordnung hat der Literatur einen zuvor nicht gekannten Einfluß auf das Leben des Volkes ermöglicht; zugleich wird die Literatur stärker als jemals zuvor vom Volk selbst geprägt .

FILMTIPS

"Chronik der Anna Magdalena Bach" und "Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter", von Jean-Marie Straub. "Week-End", von Jean-Luc Godard.

Unser Seller-Teller Mai 1969

Wäre diese Bestseller-Liste ein wenig länger, so verzeichnete sie außerdem noch, die "Krebsstation" von Alexander Solschenizyn und die "Unvollkommene Gesellschaft" von Milovan Djilas.

Ein brüderliches Drama

Ein Theaterstück könnte das sein: Jemand steht auf der Bühne und redet, erfindet Geschichten, zelebriert und beschwört, erteilt plaudernd Zensuren, gibt Privatissima als Haupt- und Staatsaktionen aus und spricht dabei mit zur Seite gewandtem Kopf, zu einem Partner hin, auf dessen Erscheinen der Zuschauer wartet, als sei’s der Herr Godot, der sich da (möglicherweise) hinter dem Vorhang verstecke.

ZU EMPFEHLEN

Beispielhaft wird demonstriert, daß nur durch revolutionierende Formen und bewußtseinsverändernde Aufklärung mit der Hochschule auch die Gesellschaft in radikaldemokratischer Weise verwandelt werden kann: ein praktikables Programm, jenseits von Aktionismus und Reformismus, von Verzweiflung und Einverständnis.

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