Von Gerhard Hölther

Diplom-Ingenieur Fabricius dozierte in wohlgesetzten Worten: "Durch den Unfallstoß wird das angefahrene Fahrzeug in Fahrtrichtung beschleunigt. Dann nimmt der Insasse an der Beschleunigung teil. Der Kopf bewegt sich relativ zum Insassen nach hinten."

In etwa 200 Fällen jährlich führt die physikalisch unausweichliche Konsequenz eines Auffahrunfalls zum Tod durch Genickbruch. Im Institut für Kraftfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin (Leitung: Prof. Dr. Ernst Fiala) ist der "Peitschenschlageffekt" unzählige Male nachgeahmt worden: Eine mit Meßgeräten verbundene Puppe wurde auf einem Sitzschlitten durch einen Katapultstoß weggeschleudert, so, als sei sie der Fahrer eines stehenden Wagens, auf den ein anderer mit Tempo 50 aufprallt. Dipl.-Ing. Fabricius, Mitarbeiter des Instituts, berichtete jetzt in Hamburg (auf dem I. Internationalen verkehrswissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Verkehrsakademie) über die Versuchsergebnisse. Das Fazit: "Man muß, wenn man wirklich die Halsverletzungen verhindern möchte, unbedingt eine Kopfstütze vorsehen." Die Hyperextensionen (Überdehnungen) der Halswirbel durch die Schleuderbewegung des Kopfes führen in schwereren Fällen – Auffahren mit Stadtgeschwindigkeit kann genügen – zum Herausreißen der Zwischenwirbelkörper, in den schwersten zum Zerbrechen der Wirbel: Genickbruch.

Völlig sicher sind nach den Versuchserfahrungen hochgezogene Sitze, in die die Kopfstützen eingearbeitet sind. Die Sitze selbst müssen fest verankert sein, sie dürfen beim Anprall nicht aus ihren Halterungen reißen. Die Rückenlehne – und diese Erkenntnis war neu – soll eine "Steifigkeit" haben, die optimal bestimmt werden kann: nicht zu weich, nicht zu stramm.

Wenn man den Hals nicht riskieren will, muß man vor allem darauf achten, "daß die Oberkante der Kopfstütze mindestens 75 Zentimeter von der unbelasteten Sitzfläche entfernt ist".

Denn die Stütze, die den Hals retten soll, darf nicht im Nacken sitzen. "Wenn die Stütze in Nackenhöhe angebracht ist, wird es noch schlummer." Beim Aufprall wird dann der Kopf über die Stütze hinweg nach hinten gebogen. Und auch zu schmal darf sie nicht sein: "Mindestens 25 Zentimeter, weil sonst bei schräg auftreffenden Stößen oder wenn man nicht symmetrisch angelehnt sitzt, der Kopf vorbeirutscht."

Die handelsüblichen Kopfstützen sind etwa 30 Zentimeter breit. Sind sie gut? In der Diskussion wurde leider nicht recht klar, was vom Angebot des Zubehörhandels zu halten ist. Von "wirkungslosen" Kopfstützen war die Rede, die "zu schwach" und mit "Gummibändchen" befestigt sind. "Denkbar wäre", sagte Fabricius, "daß es aufsteckbare Kopfstützen gibt, die die beim Anprall entstehenden Kräfte aufnehmen können." Denkbar –? Gibt es sie, oder gibt es sie nicht? Sind sie besser als gar nichts, oder sollte so bald wie möglich jedes Auto von vornherein in die Sitze konstruierte Stützen haben?