Unser Kritiker sah:

LUX IN TENEBRIS

DIE KLEINBÜRGERHOCHZEIT

Von Bert Brecht

Bühnen der Stadt Essen, Humboldtaula

Aus den sieben frühen Einakter war doch noch eine Uraufführung zu gewinnen: "Lux in tenebris" (Licht in der Finsternis), geschrieben, als Brecht einundzwanzig Jahre alt war. Das ist ungefähr die Entstehungszeit des "Baal", den der Autor in der "Kleinbürgerhochzeit" von einem der Festgäste als "eine Sauerei" zitieren läßt. Daß in Essen das kürzere Uraufführungsstück mit der etwas längeren "Kleinbürgerhochzeit" zusammengestellt wurde, war dramaturgisch ein guter Gedanke. So gekoppelt, könnte dem Theaterbetrieb ein Abend "Junger Brecht" zuwachsen – geeignet eher für die Studiobühne als fürs Große Haus, doch mehr als nur ein szenischer Beitrag zur Brecht-Philologie.

Freilich, man sollte Theaterstücke nicht lesen, bevor mansie gesehen hat. Als ich von meiner Regel, den Komödianten den Vortritt bei der Interpretation eines Bühnentextes zu lassen, ausnahmsweise einmal abgewichen war, bekam ich durch den Regisseur Dieter Dorn einen anderen Eindruck als durch die Lektüre vermittelt.