Der geistige Vater der künftigen Niedersachsenbank, die nach dem Vorbild der Westdeutschen Landesbank aus einer Fusion der niedersächsischen öffentich-rechtlichen Kreditinstitute hervorgehen soll, hat seinen Rücktritt erklärt, noch bevor aus seiner Idee Wirklichkeit wurde.

Am 1. Januar 1970 soll die neue Superbank, die mit einem Bilanzvolumen von 16 Milliarden Mark in der Spitzengruppe der deutschen Kreditinstitute rangieren wird, ihre Tätigkeit aufnehmen. Ihr designierter Vorstandsvorsitzender, Dr. Carl Düvel, seit 13 Jahren in der Braunschweigischen Staatsbank und ihr derzeitiger Präsident, hat jetzt vor den Wünschen der Sparkassen kapituliert.

Der Rücktritt Düvels ist um so aufsehenerregender, als er in den Auseinandersetzungen mit den Banken um die Steuerprivilegien der Sparkassen der Hauptstreiter für die Sparkassen war. Offensichtlich ist Düvel den Sparkassen wegen seiner Aktivität und seiner Dynamik unheimlich geworden, denn sie verlangten jetzt bei einer Beteiligung von 40 Prozent an der künftigen Niedersachsenbank 50 Prozent der Stimmrechte.

Sie hatten dabei sicher die Konstruktion der Westdeutschen Landesbank vor Augen, bei der die Aktivität des Vorstandsvorsitzenden Ludwig Poullain, zugleich Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, manchem altgedienten Sparkassenleiter ein Dorn im Auge ist. Dort haben die Sparkassen nur einen Stimmenanteil von 33 1/3 Prozent.

Carl Düvel hatte sich gleich zweimal bei den Sparkassenvertretern unbeliebt gemacht. Als einzige Ausnahme im Bundesgebiet gibt es im Land Braunschweig keine dezentralisierte Sparkassenorganisation auf kommunaler Basis. Vielmehr wird die Landessparkasse Braunschweig in Personalunion mit der Staatsbank geführt. Daher unterstellte man Düvel zentralistische Tendenzen, die die Unabhängigkeit der Sparkassen gefährden könnten.

Zum anderen hatte Düvel erklärt, die Fusion erfordere eine Wendung vom reinen Kreditdenken – wie es bei den oft noch administrativ eingestellten Sparkassen zu finden ist – zur modernen Geschäftsbank. Damit tauchte der Verdacht auf, die Sparkassen könnten zugunsten der Zentrale der künftigen Niedersachsenbank entmachtet werden.

Düvel war jedoch nicht bereit, eine Konstruktion zu akzeptieren, mit der ihm das Ziel der Fusion nicht erreichbar scheint. Nur wenn der Gesetzentwurf in seinem Sinn – also lediglich mit einem Stimmenanteil der Sparkassen entsprechend ihrer kapitalmäßigen Beteiligung – geändert wird, will er seinen Rücktrittsentschluß noch einmal überdenken.

Düvel: „Ich habe bisher immer an die Kraft sachlicher Argumente geglaubt. Sobald die Sache in den politischen Raum gerät, muß man auch die persönlichen Konsequenzen ziehen können. Ich kann doch keine Lösung hinnehmen, bei der ich morgens nicht mehr in den Spiegel sehen kann, nur um einen Job zu behalten.“ mh