Die sozialen Leistungen des Robert Bosch sind heute selbstverständlich geworden

Von Hartwig Meyer

Wer das Wagnis unternehmen wollte, sich ohne Hilfe der Empfangsdame im Stuttgarter Bosch-Haus an der Breitscheidstraße zurechtzufinden, müßte scheitern: Auf dem Hinweisschild im Foyer, das anderswo dem Fremden als Orientierung dient, wimmelt es von Abkürzungen wie GF, F1, F2, F3 ... oder PRA. Nur durch hausinterne Auskunft kann man erfahren, daß sich hinter F1 zum Beispiel Hans L. Merkle, der Boß des Bosch-Unternehmens, verbirgt oder hinter F3 Karl Schreiber, Kollege Merkles in der Geschäftsführung.

Mehr als diese Hieroglyphen findet man auch nicht an den Türen auf den Gängen des Bosch-Labyrinths. Denn äußerliche Statussymbole wie Direktor, Doktor oder Abteilungsleiter sind nach dem Willen des Firmengründers Robert Bosch d. Ä. (der Ältere) in diesem Hause verpönt, oder sind es wenigstens bisher gewesen.

Obwohl Robert Bosch nun schon seit 27 Jahren tot ist, trägt das Unternehmen nach wie vor seinen persönlichen Stempel, in Äußerlichkeiten und in der Struktur. Boschs Testament war die Grundlage für die derzeitige rechtliche Organisation der Bosch-Gruppe. Durch seine Verfügung befinden sich heute (seit 1964) rund 86 Prozent des Kapitals der Robert Bosch GmbH, der Muttergesellschaft des Konzerns, bei der Robert Bosch Stiftung GmbH, die die ihr zustehenden Dividenden gemeinnützigen Zwecken zufließen läßt; derzeit in erster Linie dem Neubau des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart.

Ohne Kontrolleur

Robert Boschs Willen beugten sich die Familienerben. Sie begnügten sich mit 14 Prozent Kapitalanteil und verzichteten damit auf einen nennenswerten Einfluß auf das Unternehmen. Sie akzeptierten ein von Bosch ernanntes und sich selbst regenerierendes Siebener-Gremium von Testamentsvollstreckern, das als Gesellschafter der Robert Bosch Industriebeteiligung GmbH die Stimmrechte des in die Stiftung eingebrachten Bosch-Kapitals vertritt und damit das Herrschaftsorgan der Bosch-Gruppe darstellt.