Von Heinz Heininger

Er residiert am Ballindamm, jenem Hamburger Boulevard an der Innenalster, der seinen Namen von dem schon legendären Hapag-Reeder Ballin hat. Wie Ballin stammt er aus Dänemark: Axel Bitsch-Christensen, 43 Jahre alt und Chef der Deutschen Atlantik-Linie (DAL).

Er befiehlt über die beiden schwimmenden Luxus-Hotels „Hamburg“ und „Hanseatic“, mit denen sich Hamburg einen Abglanz seiner großen Passagierschiff-Tradition erhalten möchte – war doch vor dem Ersten Weltkrieg Reeder Ballins „Vaterland“ das größte (und wie die Hamburger behaupten schönste) Schiff der Welt. –

Reeder will Christensen allerdings nicht geheißen werden: „Das sind Schiffseigentümer nur, wenn sie nicht so viele Mitbesitzer haben wie ich.“ Und er hat viele: genau 240 sind es bei der „Hamburg“, bei der „Hanseatic“ etwa 170. „ABC“, wie Christensen in Hamburg auch genannt wird, hält von jedem Schiff nur den kleinstmöglichen Anteil von 100 000 Mark.

Was Christensen zu Hamburgs liebstem Kind unter den Reedern gemacht hat, ist nicht seine Mini-Beteiligung an den Schiffen, auch nicht seine florierende DAL, die ihm im Jahr 100.000 Mark bezahlt, wie er sagt. Schon eher sein enormer Sinn für Publicity. So schwang bei der Taufe der „Hamburg“ im April dieses Jahres keine Geringere als Kanzler-Gattin Luise die obligatorische Sektflasche. Christensens Werbemanager schafften es sogar, den New Yorker Stadtrat zu einer Sitzung auf Westdeutschlands Flaggschiff zu holen, als es zum erstenmal in New York anlegte.

Ganz sicher aber liegt der Schlüssel zu Christensens Erfolg in seinem unglaublichen Geschick, romantische Schiffahrts-Schwärmerei, schon totgeglaubte See-Prestigesucht und hartes Geschäft miteinander zu verbinden. Besonderes Talent entwickelte er darin, alle Geldadern fündig zu machen, die sich durch Westdeutschlands öffentliche Haushalte ziehen. Hilfestellung leistete ihm dabei sein Hamburger Steuerberater Walter Hoffmann.

Mit ihm zusammen knobelte er das Patentrezept aus: Man nehme eine Gesellschaftsform, bei der das Risiko so gering wie möglich ist und bei der die Gesellschafter die hohen Sonderabschreibungen für die Schiffe (30 Prozent) als Steuerersparnis bei ihrem sonstigen Einkommen verbuchen können.