Seit dem scharfen Kursrückgang vom 23. Juni ist es an den deutschen Börsen merklich ruhiger geworden. Die Hausse-Stimmung ist verflogen. Den Kurseinbruch herbeigeführt haben der sogenannte Berufshandel sowie einige Banken, die sowohl ihre Aktien- als auch ihre Rentenbestände fühlbar lichteten. Das Publikum, aber vor allem die ausländischen Anleger haben an ihren deutschen Papieren festgehalten. Auf der ermäßigten Kursbasis traten einige deutsche Investment-Fonds sogar wieder als Käufer auf.

Noch ist die Frage nicht entschieden, ob wir die höchsten Kurse der seit mehr als zwei Jahre währenden Aufwärtsbewegung schon hinter uns haben oder ob sie noch einen neuen Gipfel erklimmen werden. Ohne Zweifel gehört zu den Stärken der deutschen Aktienbörse die fehlende Anlagealternative der Anleger. Die amerikanische Börse ist in einer äußerst heiklen Verfassung und auch in Japan werden Neuengagements nur noch „mit Angst“ vorgenommen. Wohin also mit dem Kapital?

Andererseits ist es unwahrscheinlich, daß die deutsche Börse von den überall steigenden Zinssätzen völlig unberührt bleiben wird. Die Bundesbank – so nimmt man an – wird konsequent ihre Politik der Geldverknappung und -verteuerung fortsetzen, also ähnlich vorgehen wie vor einigen Jahren. Das gibt einen langen, für die private Wirtschaft schmerzhaften Bremsweg.

K. W.