Für den Aktionär schwer verständlich ist bei Baufirmen das starke Auseinanderklaffen zwischen den von den Unternehmen angegebenen Bauleistungen des Berichtsjahres und den in der Gewinn- und Verlustrechnung bezifferten Umsatzerlösen. So war bei der Philipp Holzmann AG – mit der Essener Hochtief Spitzenreiter der deutschen Bauindustrie – im tiefsten Rezessionsjahr 1966 die Bauleistung fast doppelt so hoch wie der Umsatz, während in der Auslaufzeit 1967 beide Ziffern praktisch gleich groß waren. Im letzten Jahr wiederum überstieg die Bauleistung den von der Mehrwertsteuer bereinigten Umsatzerlös um runde 350 Millionen Mark.

Diese Besonderheit unter den deutschen Industriebranchen erklärt sich im wesentlichen aus dem Abrechnungsmodus der Bauwirtschaft. So werden manche sich über mehrere Jahre erstreckende Bauvorhaben nach Ablauf der Bauzeit abgerechnet und gehen erst dann in die Umsatzangaben ein. Die Bauleistung dagegen enthält die Bewertung der in der Berichtszeit vollbrachten Bauarbeiten.

Aus der Differenz der beiden Angaben wird also ersichtlich, welche Umsatzentwicklung für die Zukunft zu erwarten ist, sofern nicht bei den kurzfristigen Bauvorhaben eine entscheidende konjunkturelle Veränderung eintritt. Bei Holzmann drückt sich dieser Rhythmus auch in der Dividendenpolitik aus. 1967 fielen in die Berichtszeit zahlreiche Bauabrechnungen, so daß dementsprechend auch der Jahresgewinn stieg. An diesem Ergebnis hatten die Aktionäre wie 1963 durch die Zulage eines Bonus von zwei Prozent zu der seit 1962 ausgeschütteten Standarddividende von 18 Prozent teil. Für 1968 müssen sie auf den Bonus wieder verzichten, denn die abgerechneten Bauten – also der Umsatz – blieben hinter der Bauleistung zurück. Dabei spielt allerdings auch die Umstellung auf das Mehrwertsteuersystem eine Rolle, so daß die Zahlen der beiden letzten Jahre nur bedingt miteinander vergleichbar sind.

Im übrigen enthält der Geschäftsbericht eine Aufzählung von Bauaufträgen und Bauvorhaben in aller Welt – das Ausland ist an den Bauleistungen von Holzmann mit 145 Millionen Mark beteiligt –, ohne daß jedoch konkret über Volumen und Bauzeit der hereingenommenen Aufträge berichtet wird. Die Verwaltung hat sich noch nicht einmal zu der Angabe durchringen können, für welche Zeit die vorliegenden Aufträge die Beschäftigung sichern. mh