Seit Ernst Schnabel sein „Interview mit einem Stern“ schrieb und die Mondflieger, diese von der Perfektion der Technik gestanzten Erfolgsmänner, ihr Erstaunen artikulierten, vom herausgequetschten Ausruf „Yeh, man“ bis zum lyrischen Schwärmen von der Erde als „der großen Oase in der weiten Wüste des Weltraumes“ oder dem „Saphir auf schwarzem Samt“, seitdem wurden immer neue Versuche unternommen, unsere „gute alte Erde“ als große Landkarte und – aus noch größerer Höhe – als Globus zu beschreiben.

Den Blick aus der Luft auf die Erde verspricht auch das Buch

„Die Welt unter uns“ von Gerhard Bischof, Safari-Verlag, Berlin, 388 Seiten, sechs Farbtafeln, 80 Kunstdrucktafeln, 60 Skizzen (29,80 Mark).

Und es verspricht damit zuviel. Das Bemühen, aus dem Flugzeugblick ein Buch zu machen, wurde zwar angepeilt, das Erlebnis des Fliegens wird auch in vielen Facetten beleuchtet, die neue Epoche der Weltraumreisen schon angedeutet, aber die eigentliche Qualität des Buches ist es, daß hier ein Geologe seine Schubladen geöffnet hat und sachlich geographischen und topographischen Unterricht gibt. Die Kartenbilder der Erde von oben zu entziffern, das heißt nicht nur Gefühle, Erfahrungen und Stimmungen zu präzisieren, die sie hervorrufen, sondern verlangt Wissen. Nur, wenn man viel weiß, wird man viel erkennen.

Der Untertitel des Buches „Welt- und Länderkunde aus der Vogelperspektive“ will zwar hartnäckig das Prinzip bekräftigen, das Buch sei aus dem Flugzeugblick entstanden. Tatsächlich aber hat der Autor sich auf der Erde selbst, in vielen Ländern und entlang der großen Flugrouten, eingehend umgesehen. Weil die Sicht des Professors interessant ist, verzeiht man ihm die allzu beflissene, wiederholte Angabe der großen Fluggesellschaft, die ihm diese Reise ermöglichte.

Dies ist kein Buch, das man liest, ohne aufhören zu können. Weltreisende, und nicht einmal nur jene, die fliegen, vielleicht sogar zum erstenmal, werden es schätzen, weil es die Lebensräume der Erde in ihrer Abhängigkeit von einer langen erdgeschichtlichen Entwicklung zeigt.

Gemessen an den 500 000 Jahren, seit es Menschen auf der Erde gibt, sind die 70 Jahre, seit sie sich in die Lüfte schwangen, nur ein Augenblick. Die atemberaubende Möglichkeit, durch das Fliegen die Erde in neuem Licht zu sehen und größere Zusammenhänge zu erkennen, soll erst noch Folgen haben. EM