Von Hartwig Meyer

Noch vor wenigen Jahren konnte eine deutsche Bank den einzigen von allen Fesseln freien und die ganze Welt umspannenden Markt in Verruf bringen: den Eurodollar-Markt. Die Hugo Stinnes-Bank, die sich dort kurzfristig verschuldet hatte, erlitt Schiffbruch, als sie von ihren Euro-Gläubigern zur Kasse gebeten wurde. Sie konnte nicht zahlen, weil sie das Geld, entgegen der goldenen Bankregel, langfristig in ihren Konzern investiert hatte.

Damals gerieten alle in helle Aufregung, die ihr Geld in diesen statistisch kaum faßbaren Markt gesteckt hatten. Zu jener Zeit gehörte es zum guten Ton, den Eurodollar-Markt mangelnder Seriosität zu verdächtigen. Bankier Hermann J. Abs befürwortete eine Auskunftszentrale über Eurodollar-Schuldner, die es zwielichtigen oder leichtsinnigen Unternehmen unmöglich machen sollte, sich in Eurodollars zu verschulden, wenn sie ihr Kreditkonto bei der Hausbank überzogen hatten.

Inzwischen ist das fast vergessen. Das Ansehen des Marktes, auch das der Stinnes-Bank, die unter den Fittichen der Berliner Handelsgesellschaft grundsolide wurde, ist völlig wiederhergestellt. Der Eurodollar-Markt, auch heute ohne schwarze Liste für Kreditsünder und ohne institutionellen Kopf, hat sich zu einem Instrument der nationalen Notenbanken entwickelt, mit dem sie die internationalen Zahlungsströme beeinflussen können.

Die Anfänge des Eurodollar-Marktes sind ebensowenig bestimmbar wie sein Volumen, das nach einer groben Schätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel 25 Milliarden Dollar betragen soll. Chronisten verlegen seinen Ursprung in die zwanziger Jahre.

Seiner Gründung mag folgende Vorstellung zugrunde gelegen haben, die dem Gelddisponenten eines Industrie- oder Handelsunternehmens oder einer Bank in Europa oder anderswo außerhalb Amerikas gekommen sein muß:

Warum soll ich meine zur Zeit arbeitslosen Dollarguthaben (bei einer Bank in den Vereinigten Staaten) bei der heimischen Notenbank in Landeswährung umtauschen oder zinsbringend in den USA anlegen, wenn ich sie zu einem höheren Zins direkt an einen französischen, italienischen oder japanischen Importeur verleihen kann? Ähnlich mag auch der persische Ölmillionär gedacht haben, der seine in New York gehaltenen Dollar-Millionen Barclays Bank in London gab, die ihm höhere Zinsen als New York bot und das Geld am Euro-Markt kurz- oder langfristig weiter verlieh.