In einer farbenprächtigen Zeremonie, die durch Sabotageakte walisischer Nationalisten nur am Rande gestört wurde, hat Königin Elizabeth II. von England am Dienstag im Schloß zu Caernarvon ihrem ältesten Sohn Charles (20) die Insignien des Prinzen von Wales verliehen, und ihn damit auch offiziell zum Thronfolger erhoben.

Etwa 250 000 Menschen hatten sich zur Stätte der Investitur begeben, etwa 500 Millionen Zuschauer in aller Welt verfolgten das Ereignis an den Mattscheiben. Kurz nachdem die königliche Familie den Sonderzug verlassen hatte, detonierte in einiger Entfernung eine Sprengladung, die allerdings nur Sachschäden anrichtete. Der schwerste Zwischenfall hatte sich in der Nacht vor der Investitur ereignet, als zwei Männer in der 75 Kilometer von Caernarvon entfernten Stadt Abergele von einer explodierenden Zeitbombe tödlich verletzt wurden.

Unter dem Schutz von etwa 4000 Polizisten begaben sich erst Prinz Charles, dann die königliche Familie zu der Schloßruine. Vor 700 Jahren war der erste „Prince of Wales“ kreiert worden, der letzte und bislang einzige, der die Insignien auf Burg Caernarvon erhalten hatte, war der spätere König Edward VIII., heute Herzog von Windsor, der 1936 abdankte.

Der mittelalterlichen Zeremonie (Kosten: 2,5 Millionen Mark) wohnten 400 Ehrengäste bei – unter ihnen der Waliser Richard Burton und seine Frau Elisabeth Taylor. Umringt von seinen Edlen, erhielt Charles die Insignien (Krone, Schwert, Stab, Ring und Hermelin). Kniend schwor er der englischen Königin lebenslange Gefolgschaft und tauschte mit ihr den „Lehenskuß“.