Iie Schwaben sagen: "Schaffe, spare, Häusle baue Sie sagen aber auch: "Schwätze, hocke, saufe " Nichts gegen ein eigenes Haus! Nichts gegen die fröhliche Runde beim Wein! Aber alles gegen das Haus, das keinen Wein mehr erlaubt, keine Muße mehr zum Sitzen und Genießen, das nur noch ein Dasein voller Einschränkungen zuläßt.

Sicher ist ein eigener Herd Goldes wert. Muß man sich ihn aber erquälen, so bleibt sehr zu prüfen, ob er es wirklich wert ist. Und macht ein Haus auch frei von Abhängigkeiten wie Hauswirten und unlieben Mitbewohnern, so macht es doch unfrei alle jene, die sich überzeugen (oder überreden?) ließen, mit allzu wenig oder gar ohne Anfangskapital nur erst mal zu beginnen.

Ein Wort also für die Freiheit vom Haus, wenn offensichtlich ist, daß es nur eine lebenslange Belastung sein wird. Der Mann ist Anfang Dreißig.

Er verdient als Abteilungsleiter 1900 Mark brutto im Monat, liegt also weit über dem Gehaltsdurchschnitt und damit auch über jener Einkommensgrenze, bis zu der es einen Anspruch auf Zuteilung zinsloser Landesdarlehen oder sonstiger öffentlicher Mittel gibt. Trotzdem lebt der Mann nicht im Überfluß, denn netto bleiben ihm — nach Abzug der Steuern und der Versicherungspflichtbeiträge — nur etwa 1500 Mark im Monat übrig. Davon muß er sich selbst, seine Frau und zwei Kinder ernähren. Für seine VierZimmer Wohnung bezahlt er 350 Mark Miete im Monat. Seine Freunde sagten jahrelang: "Was wirfst du dem Haus , wirt dein Geld in den Rachen und finanzierst dessen Haus! Bau selbst!" Der Mann beginnt, die Möglichkeiten abzuschätzen. Ein Grundstück zunächst: 500 Quadratmeter am Stadtrand zu je 40 Mark. Es schluckt volle 20 000 Mark und liegt noch nicht einmal in einer Großstadt. Für ein freistehendes Haus mit etwa 120 Quadratmetern Wohnfläche muß er 130 000 Mark kalkulieren. Das sind zusammen 150000 Mark. Der Mann rechnet. Von den 1500 Mark pro Monat werden in seinem VierPersonen Haushalt mindestens 600 Mark verkocht und verwaschen. 90 Mark kosten Licht, Gas und Heizung, 30 Mark Zeitungen und Telephon; 150 Mark werden durchweg für Kleidung gebraucht 70 Mark für die Kleinigkeiten des Alltags: Friseur, Geburtstage und die Wo , dienenden. 50 Mark werden auf die "hohe Kante" für Notfälle gelegt. 100 Mark werden — pro Monat — für den Sommerurlaub gespart. Um ihn billiger zu haben, fährt man mit dem Auto ins Ferienparadies. Das Auto braucht man sowieso. Es kostet 60 Mark im Monat. Mit der Miete macht das zusammen genau 1500 Mark.

So lebten sie bisher.

sich beraten. Bausparkassen und Banken sagen, daß er bei einem Drittel Eigenkapital und zwei Dritteln Fremdkapital, also beim Normalfall einer gesunden Finanzierung, eine I. Hypothek bis zu 40 Prozent und eine II. Hypothek, nämlich das Bauspardarlehen, bis zu 25 Prozent des Wertes bekommen könne. Das bedeute bei einem Projekt von 150000 Mark einen Bausparvertrag über 85 000 Mark mit einer Ansparsumme von 35 000 Mark. Damit habe er dann schon bald sein eigenes Haus.

Bald — das sind mehr als acht Jahre, wenn unser Mann dreihundert Mark jeden. Monat aufbringt, einschließlich Prämie und Zinsen. Natürlich gibt es auch neh andere Möglichkeiten der- Mittelbeschaffumg, sagen Bausparkassen und Banken, zum Beispiel höhere Hypotheken mit geringerer Tilgung. Aber sie sagen auch, daß das Haus dann am Ende teurer zu stehen komme, weil die Bezahlung nur hinausgeschoben werde und weil also während einer längeren Zeit Zinsen bezahlt werden müßten. Haus. Am Wirtschaftsgeld wird gespart; man kauft sich etwas seltener neue Kleider. Der Fünf zigmarkschein für die "hohe Kante" entfällt. Man verzichtet auf die Urlaubsreise. Mutter wäscht sich die Haare selber, Vater meldet das Auto ab. Die Kinder werden etwas kürzer gehalten. Warum auch nicht? Schließlich sollen sie einmal ein schuldenfreies Haus erben.